15.05.2012, 09:21  Aktualisiert: 15.05.2012, 11:22 
Mini-Wachstum

Wifo: Österreichs Wirtschaft auf dem Weg der Besserung

Nach einer seit Sommer herrschenden Stagnation, konnte Österreichs Wirtschaft wieder leicht wachsen. Im ersten Quartal stieg das Bruttoinlandsprodukt um 0,2 Prozent.
Österreich hat die Stagnation vorerst überwunden.
Foto: APA (dpa)/Kay Nietfeld

Wien - Österreichs Wirtschaft hat zu Jahresbeginn eine seit Sommer herrschende Stagnation überwunden und ist leicht gewachsen. Im ersten Vierteljahr stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Quartalsabstand real um 0,2 Prozent. Davor gab es zwei Quartale mit einem Nullwachstum, aber keinen Rückgang der Wirtschaftsleistung, wie aus der Schnellschätzung des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) von Dienstag hervorgeht. Zuletzt, im März, war das Wifo noch von einem leichten BIP-Rückgang um 0,1 Prozent im 4. Quartal ausgegangen.

Wirtschaft wird sich weiter erholen

Leicht positive Impulse für die heimische Wirtschaft lieferte im Zeitraum Jänner bis März per Saldo der Außenhandel. Der Export nahm mit real +0,7 Prozent zwar nur sehr verhalten zu, doch war die Dynamik etwas stärker als beim Import (+0,5 Prozent). Letztlich trugen aber sämtliche Nachfrageaggregate zum mäßigen BIP-Wachstum im 1. Quartal bei, so das Wifo.

Gegenüber dem Vorjahreszeitraum erhöhte sich das BIP zu Jahresbeginn real um 1,9 Prozent, nach 0,8 Prozent Plus im letzten Vierteljahr 2011. Davor hatte die Wirtschaftsleistung allerdings mit 2,4 Prozent im 3. Quartal bzw. 4,1 Prozent im 2. Quartal noch kräftiger zugelegt.

Im Gesamtjahr 2011 wuchs das heimische BIP laut Wifo real doch nur um 3,0 Prozent und nicht um 3,1 Prozent, hat die nun durchgeführte Revision ergeben. Den Anstieg des nominellen BIP für 2011 haben die Experten von zuletzt 5,3 auf nunmehr 4,9 Prozent korrigiert.

Österreichs Wirtschaft wird sich in den kommenden Monaten und Quartalen weiter erholen, dieser Prozess wird nach Ansicht des Wifo-Experten Marcus Scheiblecker aber „eine sehr zähe Sache“. „Friktionsfrei wie ursprünglich angenommen geht es nicht hinauf“, meinte der Fachmann am Dienstag im APA-Gespräch und verwies dazu auf „die schlechten News, die täglich hereinkommen“, etwa zu Griechenland oder anderen Euro-Schuldenproblemländern wie Spanien und Italien.

Es bestehe noch keine ausreichende Sicherheit, um die heimische BIP-Prognose für heuer nach oben zu setzen in Richtung 0,8 Prozent Wachstum, wovon die EU-Kommission in ihrer jüngsten Prognose für Österreich ausgeht. Das Wifo hat in seiner Frühjahrsprognose von März für 2012 ein Plus von 0,4 Prozent angenommen, und dies könnte laut Scheiblecker im Falle einer Eskalation der Griechenland-Krise nicht mehr - wie derzeit - die Untergrenze sein, sondern zu einem oberen Wachstums-Limit werden.

Griechen-Austritt wäre „desaströs“

Ein Scheitern des griechischen Sanierungsweges wäre „desaströs für den gesamten Euroraum“, meinte der Wifo-Experte, wobei die konkreten Auswirkungen im Detail gar nicht abzuschätzen seien. Vor allem indirekt über die Finanzmärkte könnte das Europa „dramatisch“ zu spüren bekommen. Kurzfristig könnten als Folge der Schwierigkeiten, in Athen eine tragfähige Regierung zu finden, Spanien und Italien noch stärker unter Druck geraten als in den letzten Tagen, was die Zinsen für ihre Staatsschulden betrifft.

Ein Übergreifen der Griechenland-Krise auf Spanien oder Italien wäre aus Sicht von Scheiblecker freilich „ein Alarmsignal für die EZB“, denn die könne Länder von dieser Größe nicht retten. Im worst case könne dies „bis zum Auseinanderbrechen des Euro-Raums gehen“, so der Experte.

Wie die EU-Kommission am vorigen Freitag geht auch das Wifo davon aus, dass der Aufschwung in Europa nur langsam vonstatten gehen dürfte und die Lage fragil bleibt. „Wichtig ist die Richtung, und da sehen wir doch eine sanfte Besserung“, so Scheiblecker. Wichtig sei der Verlauf des kommenden Jahres 2013, für das zwar vom Wifo „optimistische 1,4 Prozent“ BIP-Plus prognostiziert seien, doch liege eine solche Rate noch immer deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. „Das Gesamtbild ist also durchaus ein pessimistisches“, lautet das Resümee des Experten.

Heuer im 1. Quartal hat der Zuwachs des heimischen Privatkonsums mit real 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal jenem des gesamten BIP entsprochen, während der öffentliche Konsum mit +0,1 Prozent laut Wifo nahezu stagnierte. Deutlich schwächer als im 4. Quartal entwickelte sich die Investitionsnachfrage, wenngleich hier der Anstieg höher ausfiel als bei den anderen Komponenten der Inlandsnachfrage. Der seit dem 3. Quartal beobachtete Rückgang der Warenproduktion sei Anfang 2012 zum Stillstand gekommen, und die Wertschöpfung habe real um 0,5 Prozent zugenommen, so das Wifo.

Über das BIP im 1. Quartal wird das Wifo am 8. Juni im Detail informieren. Für 28. Juni ist die nächste vierteljährliche Vorschau von Wifo und IHS geplant, die Sommerprognose. (APA)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Di, 15.05.2012  09:21
aktualisiert: Di, 15.05.2012  11:22
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