03.01.2012
Innsbruck

Unsicherheit am Jobmarkt wächst

Nach der Entspannung am Jobmarkt im vergangenen Dezember befürchten AMS, Gewerkschaft und Wirtschaft für 2012 einen Anstieg der Arbeitslosen. Mitterlehner für Exportoffensive außerhalb Europas.
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Österreichs Arbeitsmarkt – Ende 2011

Innsbruck – Die Lage am Tiroler Jobmarkt bleibt zum Jahreswechsel stabil, der Ausblick auf 2012 aber trüb. „Der Arbeitsmarkt erweist sich derzeit noch als krisenresistent“, schildert Tirols AMS-Chef Anton Kern. „Es hat sich gezeigt, dass die Wirtschaft in Tirol immer noch gut läuft“, so Kern. Konkret waren Ende Dezember 17.888 Tiroler beim AMS als arbeitslos vorgemerkt, damit blieb die Arbeitslosenquote im Vergleich zum Vorjahresmonat stabil bei 5,4 %. Die Zahl der Schulungsteilnehmer sank um 10,2 % auf 2001 Personen. Damit waren zu Jahreswechsel insgesamt 19.889 Tiroler ohne Job. Den größten Anstieg der Arbeitslosen gab es in der Beherbergung und Gastronomie (+9,9 %), bei den 20- bis 24-Jährigen (+4,7 %) und bei Über-50-Jährigen (+4,5 %).

Gleichzeitig stieg in Tirol im Dezember auch die Zahl der Beschäftigten um 2000 Personen auf etwa 313.000. „Heuer dürfte die Beschäftigung aber nicht mehr so stark wachsen wie 2011“, glaubt Kern. Er rechnet heuer mit einem Beschäftigungs-Plus von durchschnittlich 2000 Personen.

Auch Sozialminister Rudolf Hundstorfer stellt sich nach einer Entspannung im Dezember wieder auf schwächere Job-Daten in den kommenden Monaten ein. Österreichs AMS-Chef Johannes Kopf versucht aber, Sorgen vor einem Rückfall in Arbeitslosenzahlen wie im Krisenjahr 2009 zu zerstreuen. Die Arbeitsmarktdaten würden im neuen Jahr nicht so schlimm wie 2009, als man Zuwächse von mehr als 30.000 Stellensuchenden hatte, sagte Kopf in der ZiB.

Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner befürchtet für den Arbeitsmarkt ein schwieriges Jahr 2012 und erwartet in Österreich wieder höhere Arbeitslosenzahlen. „Daher gibt es keinen Anlass für Euphorie, aber trotzdem Gründe für Optimismus“, meinte Mitterlehner. Denn die Finanz- und Schuldenkrise beeinträchtigte zwar die Realwirtschaft, Mitterlehner ortet aber mittelfristig genug Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen aus Österreich. „Wichtig ist, dass wir Marktpotenziale in den weniger verschuldeten und wachstumsstarken Ländern außerhalb Europas stärker nutzen“, so Mitterlehner.

Währenddessen warnte ÖGB-Arbeitsmarktsprecher und vida-Vorsitzender Rudolf Kaske davor, „nur an Schuldenbremsen herumzudoktern“ und Arbeitsmarktpolitik durch Sparpakete zu konterkarieren. Laut Kaske sind in den vergangenen Monaten sowohl Niedrig- als auch Hochqualifizierte vermehrt arbeitslos geworden. „An beiden Enden wird die Luft dünner“, befand Kaske. Er kritisiert in der Debatte um ein Ende der Frühpensionen, dass in den Betrieben vielfach altersgerechte Arbeitsplätze fehlten.

Industriellen-Vizegeneralsekretär Peter Koren warnte indes davor, den positiven Trend am Arbeitsmarkt mit neuen oder höheren Steuern abzuwürgen. (mas, APA)

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Di, 03.01.2012
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