JPMorgan-Zockerei verunsichert Anleger in Europa
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Vor allem Bankenwerte stießen die Investoren aus ihren Depots ab.
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Frankfurt - Die Zockerei der US-Bank JPMorgan hat am Freitag die Stimmung der europäischen Anleger getrübt. Vor allem Bankenwerte stießen die Investoren aus ihren Depots ab. Der Dax lag am Vormittag weitgehend unverändert bei 6.520 Punkten, zeitweise war er um rund 0,8 Prozent abgerutscht. Der Markt reagierte laut Händlern positiv auf Meldungen, wonach die griechischen Konservativen bereit sind, an einer Koalitionsregierung teilzunehmen.
„Die Befürchtung ist, dass andere Banken auch noch Leichen im Keller haben“, sagte ein Frankfurter Aktienhändler. Lex van Dam, Hedgefonds-Manager bei Hampstead Capital, äußerte sich ähnlich: „Dass nicht einmal JPMorgan in der Lage ist, seine Händler zu kontrollieren, heißt, dass es mehr Regulierung und weniger Gewinne geben wird.“
Auch die Wiener Bankenwerte standen zum Wochenschluss unter Druck. Die schwergewichtige Erste-Group-Aktie notierte gegen Mittag mit 16,085 Euro um 1,95 Prozent tiefer, das Raiffeisen-Papier verbuchte ein Minus von 0,94 Prozent auf 25,26 Euro. Zum Vergleich: Der heimische Leitindex ATX lag zu diesem Zeitpunkt etwa 0,72 Prozent im roten Bereich.
Die US-Großbank JPMorgan hatte am Donnerstagabend mitgeteilt, wegen einer fehlgeschlagenen Handelsstrategie zwei Mrd. Dollar (1,54 Mrd. Euro) verloren zu haben. Nachbörslich hatten die Papiere des Instituts fast sieben Prozent eingebüßt. In ganz Europa gerieten Finanzwerte in den Sog von JPMorgan, der europäische Bankenindex fiel um zwei Prozent. Deutsche Bank-Aktien verbilligten sich um 2,3 Prozent, Commerzbank um 1,1 Prozent. In London rutschten die Titel von Barclays sogar um 3,1 Prozent ab, in Paris büßten die Papiere von Societe Generale 2,8 Prozent ein, in Mailand verloren Unicredit 2,7 Prozent.
Spanische Banken weiter Gesprächsthema
Für Verunsicherung bei den Anlegern sorgte auch die schwierige Lage im spanischen Bankensektor. Erst am Donnerstag hatte Spanien die zweitgrößte Sparkasse des Landes, Bankia, verstaatlicht. Die Analysten von UBS warnten in einem Kommentar vor „erheblichen Risiken“ für die spanischen Banken, die Staatsschulden und die Wirtschaft, sollten die für Freitag erwarteten Pläne der spanischen Regierung zur Rettung der Finanzbranche enttäuschen. Der spanische Leitindex Ibex verzeichnete einen Abschlag von 1,7 Prozent und lag damit weit deutlicher im Minus als andere europäische Leitindizes. Die Aktien von Banco Popular fielen um 3,5 Prozent, Banco Santander gaben um 2,6 Prozent nach.
Die Aktien von Fresenius rutschten angesichts einer Kapitalerhöhung um knapp drei Prozent ab. Der Gesundheitskonzern will rund eine Milliarde Euro einnehmen, um damit einen Teil der Übernahme von Rhön-Klinikum zu finanzieren. Die 13,8 Millionen neuen Aktien seien für 73,50 Euro je Anteilsschein verkauft worden, teilte Fresenius mit und bestätigte damit entsprechende Informationen der Nachrichtenagentur Reuters. Fresenius-Aktien hatten am Donnerstag bei 77,71 Euro geschlossen.
Schwache Wirtschaftsdaten aus China und die Nachrichten über die 2-Mrd.-Dollar Fehlspekulationen von JPMorgan hatten die Vortag begonnene Erholung zunächst ausgebremst. Auftrieb bekam der Markt im weiteren Verlauf dann durch die jüngsten Entwicklungen in Griechenland. Dort sind die Konservativen bereit, sich an einer Koalitionsregierung zu beteiligen. Die Vorstellungen der Sozialisten (Pasok) und der kleinen Linkspartei Demokratische Linke (Dimar) seien den Thesen der konservativen Nea Dimokratia (ND) „sehr ähnlich“, sagte ihr Vorsitzender Antonis Samaras am Freitag im Fernsehen. „Wir sind bereit diese Regierung zu unterstützen oder eine Minderheitsregierung zu dulden.“ (APA/Reuters/dpa-AFX)






