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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 02.09.2013

Sektorales Fahrverbot

Wirtschaft will Fahrverbot für bestimmte Güter

Was nicht terminsensibel ist, soll auf der Schiene transportiert werden. Europaweit und nicht nur in Tirol, fordert Kammerpräsident Bodenseer.

Zwei Drittel der Busse würden unter ein Fahrverbot für die Euro-Klassen 3 und 4 fallen, schätzt die Wirtschaftskammer.Foto: Rottensteiner

© Andreas Rottensteiner / TT Zwei Drittel der Busse würden unter ein Fahrverbot für die Euro-Klassen 3 und 4 fallen, schätzt die Wirtschaftskammer.Foto: Rottensteiner

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Von Anita Heubacher

Innsbruck – Die Zahl der Fans des sektoralen Fahrverbotes hält sich seitens der Wirtschaft in Grenzen. Ob ein Lkw die Luft belaste, könne nicht am geladenen Gut festgemacht werden, hieß es seitens der Transporteure. Jetzt schlägt Wirtschaftskammerpräsident Jürgen Bodenseer (VP) eine andere Richtung ein. Das sektorale Fahrverbot, das bis Dezember 2011 bestimmte Güter auf die Schiene verbannte, sei eine „gute Idee zur Verkehrsverlagerung“, erklärte er gestern. Er werde sich dafür einsetzen, „dass nicht terminsensible Güter in Europa auf der Schiene transportiert werden“. Wenn, dann müsse ein solches sektorales Fahrverbot jedoch europaweit, auf längeren Strecken und nicht nur in Tirol, verhängt werden.

Hierzulande scheint das sektorale Fahrverbot in weite Ferne gerückt. Die Fronten zwischen den Grünen und der ÖVP sowie den Grünen und der Wirtschaft haben sich verhärtet. Um an das sektorale Fahrverbot zu kommen, muss Tirol einen Preis zahlen. Deshalb ließen die Umweltreferenten der letzten Jahre ein Maßnahmenpaket ausarbeiten. Darin fand sich Tempo 100 für Pkw genauso wie die Ausweitung von Lkw-Fahrverboten für bestimmte Euro-Klassen. Derzeit dürfen die Euro-Klassen 0, 1 und 2 mit Anhänger nicht im Sanierungsgebiet, sprich Inntalfurche, fahren. Die jetzige Umweltlandesrätin Ingrid Felipe dachte allerdings laut über die Euro-Klassen 3 und zumindest auf dem Papier sogar 4 nach. Die Wirtschaft stieg auf die Bremse. „Einem solchen Fahrverbot können wir niemals zustimmen“, erklärt der Leiter der Abteilung Verkehrspolitik in der Wirtschaftskammer, Josef Ölhafen. Von 5000 heimischen Lkw wären 3500 von den ausgeweiteten Fahrverboten betroffen. 80 bis 85 Prozent des Verteil- und Zustellverkehrs würden mit Lkw der Klassen 0 bis 4 erledigt.

Ähnlich sieht es laut Ölhafen bei den rund 1000 Bussen in Tirol aus. „Hier wären zwei Drittel betroffen.“ Genaue Zahlen lässt die Kammer derzeit erheben.

Dasselbe macht Umweltlandesrätin Felipe im Landhaus. Der Betroffenheitsgrad, den die Kammer skizziert, wird von den Experten dort angezweifelt. In rund zwei Wochen will die Landesrätin mit neuen Zahlen aufwarten. Feststeht, dass das sektorale Fahrverbot heuer sicher nicht mehr kommt. Gekippt hat es der Europäische Gerichtshof im Dezember 2011. Seitdem liegt auf dem Tisch, was Tirol zu tun hat, um das Fahrverbot wieder einzuführen.

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