24.08.2011
Leitartikel

Viele Ideen, aber noch kein Plan

Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle hat mit dem Expertenpapier zum Hochschulplan einige Denkanstöße bekommen, wie ein modernes Hochschulwesen aussehen könnte. Doch das ist erst der erste Schritt.
Foto: TT / Thomas Boehm

Von Carmen Baumgartner-Pötz

Andrea Schenker-Wicki von der Universität Zürich, die den Expertenbericht für den Hochschulplan mitentwickelt hat, ist eine ehrliche Frau: „Wir haben das Rad nicht neu erfunden. Nichts, was in diesem Bericht drinsteht, ist in Österreich nicht schon zumindest einmal angedacht worden“, erklärte sie gestern an der Seite von Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle. Genauso ist es – und das ist auch das Problem hierzulande (im Übrigen nicht nur, was die Hochschullandschaft betrifft): Es reicht nicht, Dinge nur anzudenken und sich Rückendeckung durch eine zweifelsohne kompetente Expertenrunde zu holen. Man muss auch den Mut haben, unbequeme Reformen anzupacken und umzusetzen. Mit dem Mut und dem nötigen Willen ist es allerdings oft nicht weit her.

Dass der Hochschulplan „längst fällig“ sei, wie Töchterle sagt, ist sicher richtig. Jedes Mini-Startup-Unternehmen muss schließlich einen Businessplan vorlegen, bevor es von der Bank oder sonstwem Geld bekommt. Kaum zu glauben, dass das für die Universitäten und Fachhochschulen bisher nicht gegolten hat. Da war es bisher vielmehr gängige Praxis, dass jeder seine eigene Suppe gekocht hat. Jeder für sich vielleicht ganz gut, aber alles zusammen halt ein Durcheinander und Struktur. Und damit kommt man im internationalen Wettbewerb nicht weit. In ebendiesem will Österreich aber gerne mitspielen. Nur muss es dafür auch etwas tun und das besser heute als morgen.

Man darf gespannt sein, was sich Töchterle und seine Mitarbeiter aus dem Bündel an Empfehlungen herauspicken. Die empfohlenen Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen – international völlig üblich und Wasser auf den Mühlen des ÖVP-Ministers – sind freilich nur ein kleines Puzzleteil des großen Plans und für sich allein nicht der Weisheit letzter Schluss. Auch darf man einige Kritikpunkte der Experten durchaus kritisch hinterfragen: Dass ein Gutteil der Stu- dierenden nur wenige Prüfungen ablegt und kaum anwesend ist, dürfte unter anderem mit den vielen Berufstätigen unter ihnen zu tun haben, denen nach wie vor nur ein beschränktes Angebot zur Verfügung steht. Bleibt natürlich die Frage nach dem lieben Geld: Wie weit will man Bundesländer und Wirtschaft mitreden lassen, wenn diese sich finanziell stärker im Hochschulwesen engagieren? Der Expertenbericht wirft viele Fragen auf, die Antworten darauf müssen erst noch gefunden werden.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Mi, 24.08.2011
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