26.01.2012
Kufstein

ÖBB halten am Plan für Pfeifer-Gleisanschluss fest

Kundler Vizebürgermeister Michael Dessl warnt vor Bau eines Verladegleises für Luna. „Dann ist das Lkw-Fahrverbot in Gefahr!“
Das Werk der Firma Pfeifer soll einen direkten Bahnanschluss erhalten. Der Kundler Vizebürgermeister Michael Dessl ist strikt dagegen.Foto: Otter
Foto: Otter Wolfgang
   

Von Wolfgang Otter

Kundl – Als im Vorjahr erstmals die Pläne für eine Bahn­erschließung des Holzwerkes Pfeifer in Kundl bekannt wurden, gab es einen lauten Aufschrei der Grundbesitzer und des Wirtes des nahe gelegenen Gasthauses Mösl­bichl. Immerhin soll quer durch die Wiese ein Gleis verlegt werden. Und das in unmittelbarer Nähe des Naturschutzgebietes „Söller Wiesen“.

Nach dem ersten Protest, der tatkräftig vom Kundler Vizebürgermeister Michael Dessl unterstützt wurde, blieb es bis auf Weiteres ruhig um das Projekt. Von den ÖBB angekündigte Gespräche für den Herbst des Vorjahres fanden nicht mehr statt. Vor rund vierzehn Tagen schien der Gleisbau überhaupt gestorben zu sein. „Wir haben erfahren, dass im ÖBB-Vorstand das Projekt aus Kostengründen auf Eis gelegt wurde und jetzt nicht mehr kommt“, erläutert Dessl gegenüber der Tiroler Tageszeitung. „Der Gleisanschluss wird gebaut“, kommt hingegen die klare Anwort darauf von ÖBB-Pressesprecher René Zumtobel nach Rücksprache mit den zuständigen Stellen.

Das Anschlussgleis für die Firma Pfeifer sei ein nicht unwesentlicher Teil des Projektes Umbau Terminal Wörgl und müsse daher realisiert werden, wird seitens der ÖBB betont. Das rund 1,2 Kilometer lange Gleis zum Holzwerk sowie der Terminalbau wären ein Großprojekt der Bundesbahnen. An die 34,6 Mio. Euro würde es verschlingen. Die Gleiserschließung des Gewerbegebiets Luna entlastet das Terminalareal. Dort soll ein zusätzlicher Lkw-Parkplatz für die Rollende Landstraße (RoLa) und ein drittes Verladegleis entstehen. „Ich frage mich, ob das wirklich im öffentlichen Interesse ist, für ein Ladegleis so viel Geld auszugeben. Und das in Zeiten wie diesen“, erinnert Dessl an die vielen Sparparolen, die ausgegeben werden.

Doch noch könnten die Grundbesitzer den Bundesbahnen große Steine in den Weg rollen. Dessl weiß, dass deren Meinung unverändert negativ zum Projekt ist. „Die wollen nichts hergeben, da müssten die ÖBB sie schon enteignen“, warnt der Vizebürgermeister vor einem langen Rechtsstreit, bei dem die Gemeinde auf der Seite ihrer Bürger stehen werde.

Dessl befürchtet durch das Gleis sogar negative Auswirkungen auf den ganzen Ort. Das Verladegleis würde ja auch anderen Betrieben offenstehen, „und das bringt noch mehr Verkehr in diesem Gebiet mit sich“. Mehr Lkw bedeute noch mehr Druck auf das sektorale Lkw-Fahrverbot auf der B 171 durch Kundl. Bereits jetzt mehren sich die Stimmen aus der Wirtschaft, die ein Aus dafür verlangen. Die Kundler, wie Dessl versichert, würden sich jedoch erbittert dagegen wehren.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Do, 26.01.2012
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