„Die Wahl zwischen Fegefeuer und Hölle“
Von Anita Heubacher
Innsbruck – Ab 1. April könnte es ernst werden. Dann würden 200 bis 250 Bundesärzte keine Nacht- und Wochenenddienste an der Innsbrucker Klinik mehr verrichten und um ein Drittel ihres Gehaltes umfallen.
Eine bittere Pille – aber besser, als 50 bis 60 Ärzte zu kündigen. „Es ist die Wahl zwischen Fegefeuer und Hölle“, meinte gestern Martin Tiefenthaler, Betriebsratsvorsitzender für das wissenschaftliche Uni-Personal. Er will seine Ärzte am Mittwoch nächster Woche auf diese Linie einschwören. Man forsche und lehre zu wenig, Dienst am Patienten mache man zu viel.
85 Prozent ihrer Arbeitszeit verbrächten Bundesärzte mit der Krankenversorgung. „70 Prozent müssten es sein“, rechnete der Rektor der Medizin-Uni (MUI) Herbert Lochs bei der Pressekonferenz in Innsbruck vor. Diese Zusatzleistung habe die MUI immer aus ihrer Tasche bezahlt. Das könne sich die Universität nicht mehr leisten. Daher würden Dienste gestrichen und im Jahr etwa zwölf Millionen Euro gespart. Kündigungen seien nicht nötig. Der MUI fehlen 5,5 Mio. Euro. Gefordert seien der Bund und das Land, erklärten Lochs und der Vorsitzende des MUI-Uni- rates Günther Bonn. Wie berichtet, hatte sich der Unirat am Montagabend auf die Einschnitte geeinigt.
Lochs und Bonn sehen Innsbruck gegenüber Wien schwer benachteiligt. Während am AKH in Wien alle Ärzte vom Bund bezahlt würden, seien es in Innsbruck nur noch 46 Prozent. Wien habe eine Finanzspritze von neun Millionen Euro erhalten, Innsbruck müsse um 5,5 Millionen streiten.
Eine Botschaft, die in Wien gar nicht gut ankommt. Die neun Millionen seien keine Sonder-Geldspritze, sondern eine vorgezogene Überbrückungshilfe, erklärte Wissenschaftsminister Karl-Heinz Töchterle gegenüber der TT. Der Tiroler Minister vermisst eine gewisse Planungssicherheit für sein Budget. Er will weitere Unterlagen von der MUI. „Es kann nicht sein, dass die MUI mit den vereinbarten Mitteln nicht auskommt und dann dem Bund und den Patienten droht.“ Den Geldhahn will Töchterle so rasch nicht aufdrehen. Die MUI solle umschichten, rät der Minister. Bis Ende Februar werde verhandelt.
Den Bund am Zug sehen hingegen Töchterles Parteifreunde LH Günther Platter und Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg. Beide gaben sich gestern zuversichtlich, dass der Bund die 5,5 Millionen Euro bezahlen werde. „Das Bemühen des Ministers ist da“, stellte Tilg fest. Er geht davon aus, „dass die Drohungen der Ärzte nicht umgesetzt werden müssen“. Solch drastische Maßnahmen anzukündigen, bezeichnete Tilg als „mutig“. „Die MUI hätte auch ihre Rücklagen auflösen können.“ Das Land springt nach Tilgs Geschmack ohnehin schon zu sehr für den Bund in die Presche. „Wir bezahlen immer mehr Ärzte, der Bund immer weniger.“
Kritik am Vorgehen der MUI kommt auch von LH Platter. „Das ist eine unnötige Verunsicherung der Patienten.“ Platter ist ohnehin Fan einer Rückführung der Medizin-Uni an die Stamm-Uni. „Ich bin überzeugt, da könnte man in der Verwaltung sparen.“
Das wiederum sieht die MUI-Spitze ganz anders. Eine Fusion ergebe wenig Einsparpotenzial, sagte Unirat Bonn.



