Mehr als 300 Tote in Homs: Blutigste Kämpfe seit Beginn der Proteste
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Vor dem Gewaltexzess sollen Mitglieder der aus Deserteuren bestehenden „Freien Syrischen Armee“ (im Bild) Kontrollpunkte der regulären Truppen attackiert haben.
Foto: REUTERS
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Damaskus/New York - Kurz vor einer Sitzung des Weltsicherheitsrats in New York am Samstag hat Syriens Regime noch einmal brutal zugeschlagen. Ein nächtlicher Angriff des Militärs, der blutigste seit Beginn des Aufstands gegen Präsident Bashar al-Assad, forderte nach Oppositionsangaben in der umkämpften Protesthochburg Homs mindestens 330 Tote und mehr als 1300 Verletzte. Unter den Opfern befänden sich auch 57 Kinder.
Die in London ansässige Beobachtungsstelle rief die syrische Bevölkerung „in allen Regionen“ auf, angesichts des „Massakers“ in Homs auf die Straße zu gehen und sich gegen die Führung zu erheben. In Kairo, London und Berlin stürmten Regimekritiker die syrischen Botschaften und verwüsteten Räumlichkeiten.
Die syrischen Staatsmedien sprachen von einer gezielten ausländischen Medienkampagne und „Lügenmärchen“. Seit März geht das Regime immer rigoroser gegen seine Gegner vor. Mindestens 5600 Menschen kamen nach Schätzungen der Vereinten Nationen ums Leben. Doch die Zahl der Todesopfer dürfte inzwischen deutlich höher liegen.
Rettungsarbeiten beinahe unmöglich
Am Morgen hörte der Dauerbeschuss in Homs auf, doch die Bedrohung blieb. Bewohner berichteten, dass sich nun Heckenschützen auf den Dächern postiert hätten. Noch immer seien Menschen verschüttet, unter den Trümmern ihrer Wohnhäuser begraben. Rettungsarbeiten wären beinahe unmöglich, die Ärzte in den Krankenhäusern seien mit der Versorgung der Verletzten überfordert, Blutkonserven fehlten, auch Medikamente und Verbandsmaterial. Assad-Milizen stürmten nach Angaben von lokalen Oppositionsgruppen ein Krankenhaus und nahmen Dutzende Verletzte mit.
Eine Verurteilung des Assad-Regimes wurde bisher im UNO-Sicherheitsrat durch die Vetomächte Russland und China verhindert, die arabischen Staaten konnten sich lediglich auf wenige Wirtschaftssanktionen und den Einsatz von Beobachtern einigen. Doch auch diese Mission wurde wegen der andauernden Gewalt abgebrochen.
Russland strikt gegen Intervention
Bei der Münchner Sicherheitskonferenz sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow am Samstag, Moskau werde einer Resolution nur zustimmen, wenn die Gewalt bewaffneter Gruppen genauso verurteilt werde wie die Gewalt des Regimes. Zudem müsse die Resolution jede Möglichkeit einer Intervention von außen in Syrien ausschließen.
Moskau verweist auf die vorjährige Libyen-Resolution, bei der es darum ging, die Zivilbevölkerung militärisch zu schützen; die Vetomächte Russland und China hatten damals die Annahme der Entschließung durch ihre Stimmenthaltung ermöglicht. Nach Ansicht Moskaus und Pekings hatte die NATO aber das UNO-Mandat überschritten und das Regime von Muammar al-Gaddafi militärisch gestürzt.
Regime kritisiert „aufhetzende Medienkampagnen“
Die staatlichen syrischen Medien wollten von einem Blutbad in Homs nichts wissen. Der Alltag der Menschen im Umland von Damaskus, Hama und Homs sei völlig normal, berichteten Korrespondenten der offiziellen Agentur SANA aus den Krisengebieten. Die Berichte, die die Welt schockierten, wären nichts als „aufhetzende Medienkampagnen“, um den UNO-Sicherheitsrat vor der Abstimmung über eine Syrien-Resolution zu beeinflussen.
Die Gewalt gehe allein von „bewaffneten terroristischen Gruppen“ aus, schrieb die Agentur. Ein Video, das die Opposition ins Internet stellte und das nach Angaben der Aktivisten einige bei dem Bombardement getötete Bewohner von Homs zeigt, wurde als Fälschung kritisiert. Es handle sich um die Leichen von Zivilisten, die von den „Terroristen entführt, gefoltert und ermordet“ worden seien. (APA/dpa/AFP)
aktualisiert: Sa, 04.02.2012 14:50



