13.04.2012
Innsbruck

„Der Ruf der Post ist in Tirol am schlechtesten“

Post-Generaldirektor Georg Pölzl im TT-Gespräch über das negative Image, den Ausbau des Filialnetzes und die Stechuhr für Briefträger.

Von M. Zenhäusern und K. Zierl

Innsbruck – 186 Geschäftsstellen, 127 davon Postpartner. Nur noch 59 Filialen betreibt die Post in Tirol selbst. Tendenz weiter sinkend, wie der Generaldirektor bei seinem Tirol-Besuch gegenüber der TT erklärt: „Bis Ende 2013 wollen wir auf 150 Postpartner aufstocken und nur noch 42 selbst betreiben.“ Dass es immer wieder Negativschlagzeilen rund um das Projekt Postpartner gibt, versteht Pölzl nicht: „Insgesamt kommen die Partner sehr gut an – gleich gut wie Postämter, das zeigen Umfragen.“

Dass Ämter geschlossen werden müssen, sei „zeitgemäß und logisch“, betont der Generaldirektor. Schließlich sei es „unsinnig“, Postämter aufrechtzuerhalten, in denen täglich nur „eine Handvoll Kunden“ zu betreuen ist. Vielmehr könnten durch Postpartner etwa in Supermärkten, Bäckereien oder Gemeinden „Kräfte gebündelt werden“, sagt Pölzl. „Gerade das wirkt doch dem Problem der Ausdünnung des ländlichen Raums entgegen“, erklärt der Post-Chef.

Die vielen Negativschlagzeilen hätten auch zu massiven Imageschäden geführt: „Es gibt Untersuchungen, die belegen, dass der Ruf der Post bei der Bevölkerung in Tirol bundesweit am schlechtesten ist.“ Es sei „äußerst ärgerlich, dass die Personalvertretung, nur um sich zu profilieren, immer wieder für Aufregung sorgt“, macht Pölzl seinem Ärger Luft. Schließlich würden durch das schlechte Image auch die Mitarbeiter in Misskredit fallen, erklärt der Post-Chef.

Grund für die vielen Negativmeldungen gebe es laut Pölzl keinen. Die jüngsten Schlagzeilen um die digitale Zeiterfassung von Briefträgern – seitens der Gewerkschaft war von „Fußfesseln“ die Rede – seien „absolut unnötig“. „Paketzusteller arbeiten schon seit Jahren mit Handgeräten, damit ihr Zeitaufwand gemessen werden kann. Dass die Briefzusteller jetzt auch damit ausgestattet werden, ist ein ganz normaler Prozess. Und inwiefern die GPS-Funktion zum Einsatz kommt, wird derzeit mit der Gewerkschaft vernünftig verhandelt“, betont Pölzl. Auch der seitens der Personalvertretung laut gewordene Vorwurf, durch so genannte Collatoren müssten Briefträger um ihre Jobs fürchten und weniger verdienen, „stimmt so einfach nicht“, erklärt der Generaldirektor. „Mit den Sammelanlagen können Werbesendungen automatisch zusammengelegt werden. Somit fällt für die Mitarbeiter zusätzliche Arbeit weg. Diese nicht mehr anfallenden Überstunden bekommen sie dann natürlich auch nicht mehr bezahlt. Das ist nur logisch“, sagt Pölzl.

Gerüchte, wonach die Post Haushalte nicht mehr täglich beliefern soll, seien ebenfalls vollkommen haltlos, erklärt der Generaldirektor: „Wir haben schon allein durch das Postmarktgesetz die Pflicht dazu, jeden Tag jede Adresse mit den jeweiligen Sendungen – 600.000 sind es derzeit in Tirol im Durchschnitt – zu beliefern.“

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Fr, 13.04.2012
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