25.04.2012, 14:18  Aktualisiert: 26.04.2012, 06:40 
Flugrettung

Nach Rettung finanziell am Boden

Weil das Land und die Krankenversicherungen keine Verträge mit privaten Hubschrau-berbetreibern haben, flattern betroffenen Patienten Rechnungen bis zu 12.000 Euro ins Haus.
Foto: thomas böhm
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Von Peter Nindler

Innsbruck – 15 Hubschrauber sind in Tirol stationiert, vier davon betreibt der Christophorus Flugrettungsverein des ÖAMTC. Und nur mit diesem hat das Land Tirol einen Vertrag über medizinische Notfalltransporte. Mit 1,9 Millionen Euro wird die Christophorus-Flotte heuer gefördert. Ausgenommen davon sind alpine Sport- und Freizeitunfälle. Rund zwei Millionen Euro zahlen die Sozialversicherungen für die Flugrettungseinsätze. Im Vorjahr hoben die Rettungshubschrauber 8200-mal in Tirol ab.

Seit 2006 koordiniert die Leitstelle Tirol die Flugrettungseinsätze. „Wir fordern in Notfällen allerdings jenen Hubschrauber an, der den kürzesten Eintreffzeitpunkt zum Einsatzort hat“, erklärt Leitstellen-Geschäftsführer Martin Eberharter. Zu 70 Prozent erfolgen die Einsätze der Rettungshubschrauber aufgrund von externen Alarmierungen bei der Leitstelle. Zumeist werden sie von Pistenrettungen angefordert.

Wird der Patient jedoch von einem privaten Hubschrauber transportiert, kann es teuer werden. Rechnungen von mehr als 3000 Euro sind meist die Folge, seit Wochen sorgt allerdings ein Fall für Aufregung, bei dem die Rechnung 12.000 Euro beträgt.

Wobei sich kein Patient, nicht einmal beim ÖAMTC in Sicherheit wiegen sollte, außer er hat eine entsprechende Privatversicherung abgeschlossen. Denn die Sozialversicherungen bezahlen erst ab einer Notfallklassifizierung von NACA 4, bei der eine kurzfristige Lebensbedrohung nicht ausgeschlossen werden kann. Generell ist die Situation verwirrend und unbefriedigend. „Obwohl das Tiroler Rettungsdienstgesetz 2009 vorsah, dass das Land Tirol den öffentlichen Rettungsdienst entweder selbst erbrachte oder vertraglich an Rettungseinrichtungen übertrug, wurde der seit Oktober 2009 vorgesehene öffentliche Flugrettungsdienst bis Jänner 2012 nicht eingerichtet“, rügt der Bundesrechnungshof inseinem Bericht.

Der Vizepräsident und Chefarzt des Tiroler Roten Kreuzes, Thomas Fluckinger, fordert deshalb die schon längst überfällige Lösung für die Notarzthubschrauber. „Es geht nämlich schon so weit, dass sich Patienten weigern, von einem privaten Rettungshubschrauber in das Spital geflogen zu werden.“ Unter den Rettungsexperten macht auch folgende Geschichte derzeit die Runde: Ein Betroffener, der bereits einmal eine saftige Rechnung von einem Hubschrauberunternehmen erhalten hatte, fürchtete sich bei einem neuerlichen Notfall vor dem Transport. Weil er dazu noch in der Lage war, versteckte er sich vor der Hubschrauberbesatzung.

Eine Lösung zeichnet sich derzeit nicht ab, die Verhandlungen über ein neues Tiroler Flugrettungsgesetz gestalten sich schwierig. 15 Helikop- ter sind derzeit im Einsatz, sechs davon fliegen aber nur in den Winter- bzw. Ferienmonaten. Das Land will die Anzahl der Medicopter jedoch auf zehn bis zwölf beschränken, wobei es nur noch sechs ganzjährige und vier bis sechs saisonale Flugrettungszentralen geben soll.

Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (VP) verspricht so rasch wie möglich einen Gesetzesentwurf: „Das Land Tirol ist für die Rahmenbedingungen zuständig. Basierend auf dem Bundesrechnungshofbericht erfolgen derzeit in einer eigenen Arbeitsgruppe umfangreiche Arbeiten zum Thema Tiroler Flugrettungsgesetz und Ausschreibung.“

Für die Härtefälle werden derzeit Kulanzlösungen gesucht. So auch für jenen Patienten, dem 12.000 Euro vorgeschrieben wurden. Mitverantwortlich für die hohen Kosten war der lange Transportweg.

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Mi, 25.04.2012  14:18
aktualisiert: Do, 26.04.2012  06:40
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