29.04.2012
Tirol

Noch mehr Zecken in Tirol – Gefahr auch in den Bergen

Nach dem ersten Todesfall durch einen Zeckenbiss wächst auch in Tirol die Sorge. Laut Virologen wird die Infektionsrate steigen, Gefahr droht bis auf 2000 Meter Höhe.
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Wieder mehr FSME-Infektionen

Von B. Warenski, L. Pircher

Innsbruck, Wien – Ein extrem kalter Winter, erst seit Freitag wirklich warme Tage und dennoch sind die Zecken bereits voll aktiv. Nach dem jüngsten Todesfall eines neunjährigen Mädchens in Kärnten, das von einer FSME-infizierten (Frühsommer-Meningoenzephalitis) Zecke gebissen wurde, steigt die Sorge auch in Tirol. War Tirol von den infizierten Zecken lange Zeit nahezu verschont, lag man 2011 mit bereits 23 FSME-Fällen gleichauf mit der Steiermark. Dass sich FSME in Tirol noch weiter ausbreitet, davon geht der Innsbrucker Virologe Michael Kleines aus: „Die Zecken dringen weiter nach Westen vor. Die Infektionsrate wird in Tirol noch etwas steigen, in Vorarlberg, das 2011 nur sieben FSME-Fälle verzeichnete, rechnen wir sogar mit einem kräftigen Anstieg.“ Ursache dafür ist laut Kleines u. a. „die Klimaerwärmung“. Damit einhergehend breiten sich die Zecken von den bekannten Endemiegebieten Inn- und Zillertal „in die Alpentäler aus“, sagt die Wiener Virologin Heidemarie Holzmann. Drohte noch vor einigen Jahren nur in den tieferen Lagen (bis 1000 Meter) Gefahr, gibt es heute Nachweise über infizierte Zecken auf bis zu 2000 Meter.

Was den Wissenschaftern längst bekannt ist, wissen nicht alle Konsumenten: Vorsicht heißt es nämlich auch bei Rohmilchprodukten, denn auch über die Milch kann FSME übertragen werden. Wird eine Ziege, ein Schaf oder eine Kuh von einer infizierten Zecke gebissen, gelangt das Virus ins Blut und dann in die Milch: „Es ist zwar nur ein kurzes Zeitfenster von wenigen Tagen, in dem die Milch belastet ist und die Wahrscheinlichkeit, angesteckt zu werden, gering, aber möglich“, erklärt der Mediziner Günter Weiss von der Immunologie/Infektiologie der Klinik Innsbruck. Der in Österreich in der Öffentlichkeit bekannteste Fall ereignete sich 2008 in Vorarlberg, wo sich sieben Menschen mit einer infizierten Ziegenmilch auf einer Alm ansteckten.

Dass dieser Übertragungsweg nicht wie in Osteuropa bereits zu einem echten Problem geworden ist, vor dem die Gesundheitsbehörden vor allem in den baltischen Staaten immer wieder warnen, hat in Österreich zwei Gründe. „Die Durchseuchung ist in Osteuropa – vor allem in den baltischen Staaten – viel höher und dort werden auch mehr Rohmilchprodukte verzehrt“, erklärt Holzmann. Dazu komme, dass der Nachweis über die Infizierungskette sehr schwer sei, „weil ja die meisten gar keine Symptome aufweisen oder nur Fieber bekommen und man damit nicht zum Arzt geht“. Fakt ist nämlich, dass viele FSME-Infektionen unerkannt bzw. harmlos verlaufen, weil sie mit einer Grippe verwechselt werden. Vor dem Trinken von Rohmilch raten die Ärzte dennoch ab, „außer, man erhitzt sie auf mindestens 40 Grad. Das tötet die Viren ab.“

Der beste Schutz vor einer FSME-Übertragung sei nach wie vor eine Impfung, wenn diese auch nicht vor der nicht weniger gefährlichen bakteriellen Borreliose schütze. Impfen um jeden Preis muss dennoch nicht sein. Durchaus Sinn macht es laut Kleines, vorher den so genannten Titer zu bestimmen, also festzustellen, ob das Blut trotz der empfohlenen Neuimpfung nicht doch noch genügend Antikörper aufweist, was oft der Fall ist.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom So, 29.04.2012
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