Millionengeschäft mit Pillen aus Säuglingsfleisch
Von Bernhard Bartsch
Peking, Seoul – Man nehme einen toten Säugling, schneide ihn in kleine Stückchen, lasse sie zwei Tage lang trocknen und zermahle sie dann zu feinem Pulver. So schlicht und grausig ist das Rezept für ein angebliches Potenz- und Allheilmittel, das in China hergestellt und von Tausenden Menschen eingenommen wird. Der südkoreanische Zoll beschlagnahmte 17.450 Kapseln mit pulverisierten Föten und Babys, gefunden wurden sie in Gepäckstücken und Paketen aus der Volksrepublik.
Die Beamten waren den Schmugglern schon länger auf der Spur. In den vergangenen zehn Monaten seien insgesamt 35 Lieferungen mit Kapseln sichergestellt worden, hieß es. Angesichts des großen Marktes hätten sich die Behörden entschlossen, den Fall bekannt zu machen – auch, um vor den Risiken des vermeintlichen Wundermittels zu warnen. Das Fötenpulver könne Krankheitserreger enthalten und unter Umständen tödlich sein. Bislang wurden allerdings noch keine Krankheitsfälle gemeldet.
Hinter den perversen Potenzkapseln, die offenbar in Nordostchina produziert werden, steht vermutlich eine große Industrie. Die toten Embryonen und Babyleichen dürften aus örtlichen Krankenhäusern und Abtreibungskliniken stammen. Aufmerksam wurden die Behörden, nachdem koreanische Medien im vergangenen Sommer über die Herstellung und den Handel von Menschenfleischkapseln berichtet hatten. Die Reporter hatten dokumentiert, wie chinesische Kliniken unter der Hand menschliche Überreste weiterverkauften und in kleinen Fabriken zu Pulver verarbeiten ließen. Laboruntersuchungen der fertigen Kapseln sollen eindeutig menschliche DNA nachgewiesen haben.
Die Berichte sorgten in Korea wie in China für Entsetzen. Pekings Gesundheitsministerium erklärte jedoch, man habe trotz intensiver Ermittlungen keine Hinweise darauf gefunden, welche die Recherchen bestätigten. Chinesische Medien äußerten daraufhin den Verdacht, dass es sich um gestellte Berichte handle.
Dass nun der koreanische Zoll die Existenz der Kapseln bestätigt hat, bringt die chinesischen Behörden in Erklärungsnot. Wie weit verbreitet die Einnahme ist, lässt sich schwer beziffern, doch in den vergangenen Jahren sind in China immer wieder Fälle von kannibalischer Pharmazeutik bekannt geworden. So kursieren im Internet etwa Fotos von Föten, die in Südchina als Suppe gekocht worden sein sollen. Die südkoreanische Zeitung Chosun Ilbo schrieb, Fötenpulver sei in Seoul auf Märkten für Traditionelle Chinesische Medizin leicht erhältlich. Ein von dem Blatt zitierter Händler erklärte, die Nachfrage sei groß, die Behörden kaum in der Lage, den Schmuggel zu stoppen.
Für die Volksrepublik ist der Fall ein weiterer Rückschlag im Bemühen, das Image von „Made in China“ in der Welt zu verbessern. Erst kürzlich war bekannt geworden, dass Kohlköpfe in der Volksrepublik mit Formaldehyd besprüht worden waren. In Gelatinekapseln aus Lederabfällen wurden krebserregende Stoffe aufgespürt.







Startschuss für neuen Landtag

