Forum bringt Gegner an einen Tisch
Von Matthias Reichle
Kaunertal – Nutzen oder Nachteil? – Diese Frage stellte die Tiroler Tageszeitung in Feichten. Die Tiwag plant, das bestehende Kaunertalkraftwerk um 1,3 Mrd. Euro auszubauen. Die letztgültige Variante – die unter anderem einen Speicher im Platzertal vorsieht – wird im Sommer zur Umweltverträglichkeitsprüfung eingereicht. Neben Tiwag-Chef Bruno Wallnöfer, Bürgermeister Pepi Raich und dem Klubobmann der Grünen, Georg Willi, nahm auch Vizerektor und Professor am Institut für Ökologie der Universität Innsbruck Roland Psenner neben Chefredakteur Alois Vahrner am Podium Platz.
Die Diskussion endete dabei mit einem konkreten Ergebnis: Die Tiwag wird sich auf Anregung von Georg Willi mit Experten der Universität und des WWF zusammensetzen, um über Alternativen zu sprechen. Zweifel an den ernsthaften Absichten der Tiwag wollte Wallnöfer dennoch nicht aufkommen lassen: „Einen unverzichtbaren Beitrag zur Energiewende“ nannte er den Kraftwerksausbau. Wind und Sonne bräuchten die Wasserkraft, betonte der Tiwag-Chef und erinnerte an eine Erklärung der Energieminister von Deutschland, Österreich und der Schweiz. Für die Gemeinde werde man ein Ergebnis erzielen, bei dem die Vorteile gegenüber den kurzfristigen Nachteilen überwiegen, versprach er.
Willi gab ihm zwar bei der Bedeutung der erneuerbaren Energien Recht. Mit einem Aber: „Wir halten den Standort für falsch“, erklärte er und erinnerte auch an die hochwertigen Quellwässer, die aus dem Ötztal in den Gepatschstausee übergeleitet werden sollen.
Das seien Flussheiligtümer, betonte er und erinnerte an eine entsprechende Erklärung, mit der Bundesminister Wilhelm Molterer und der WWF auch Bäche im hinteren Ötztal seinerzeit unter Schutz stellte. Das sei „pseudoreligiös“, konterte Wallnöfer und auf die Erinnerung, Molterer sei ÖVPler: „Auch dort gibt es merkwürdige Vögel.“
Willi betonte, die Tiwag werde mit dem Projekt an den Gesetzen scheitern. Psenner schloss sich dem 100-prozentig an. „Ich glaube nicht, dass es geht.“ Er sprach von der großen Bedeutung der Bäche für die Umwelt. Wallnöfer erklärte, dass hier ein Interessensausgleich vollzogen werden müsse, der zugunsten der Tiwag ausgehen werde.
Zu schauen, dass es der Bevölkerung gut geht, dass in der Infrastruktur und Wirtschaft etwas weitergeht, das sei Aufgabe des Bürgermeisters, sagte Raich bei der Diskussion. Er verwies auf das Bürgerforum und sah die Chance, dass wenn solche Investitionen getätigt werden, im Tal etwas weitergehe.
Man spreche bei Kraftwerken von messbaren und unmessbaren Schäden, gab dann auch Naturpark-Geschäftsführer Ernst Partl zu bedenken: „Ein unmessbarer Schaden betrifft den Zusammenhalt der Bürger. Das Kaunertal ist seit vier Jahren im Bann dieses Großprojekts“, kritisierte er, dass es sieben Jahre gedauert hat, bis die Tiwag ihr Projekt einreicht.
„Die Gemeinde spaltet sich, es gibt Gegner und Befürworter“, brachte es BM Raich auf den Punkt, „versuchen wir das doch gemeinsam zu einem Ergebnis zu bringen“, appellierte er an die Anwesenden.
Naturschutz hatte bei der Debatte für so manchen Zuschauer Priorität: „Was wir haben, ist etwas Besonderes“, betonte eine junge Frau. Bei der Diskussion meldeten sich aber auch klare Befürworter der Wasserkraft zu Wort: „Alle arabischen Staaten leben vom Erdöl. Wir haben Wasser“, argumentierte etwa Roland Reichmayr und sprach von einem „sensationellen Exportprodukt“. „Unter Eduard Wallnöfer wäre das Kraftwerk schon lange im Bau. Vielleicht braucht es da mehr Demokratur“, betonte er.
Kirchenwirt Martin Larcher machte hingegen der Tourismus während der Bauphase Sorgen: „Die Tiwag muss sich viel Vertrauen erarbeiten“, sagte er.






