Kinder des SOS-Kinderdorfs und Dorfbewohner leben miteinander
Familiendorf:
Projektplanung. Im Jahr 2008 fiel die Entscheidung, ein integratives Projekt mit SOS-Kinderdorf-Einheiten und Mietwohnungen in Nußdorf-Debant zu errichten.
Spatenstich. Am 13. März 2010 erfolgte schließlich die Spatenstichfeier und damit auch der Baubeginn des Familiendorfes.
Aufteilung. Die Grundstücksfläche beträgt 8311 Quadratmeter. Neben den 28 Mietwohnungen (zwischen 50 und 90 Quadratmetern Nutzfläche) wurden für das SOS-Kinderdorf sechs Großwohnungen mit 175 Quadratmetern, drei Wohnungen mit 70 Quadratmetern und ein Verwaltungstrakt mit 140 Quadratmetern errichtet. In den insgesamt 37 Wohnungen leben 94 Personen.
Kosten: Die Gesamtkosten für das Familiendorf belaufen sich auf knapp 6 Millionen Euro.
Die Ehrengäste besichtigten mit Kinderdorfmutter Daria Berger und den Kindern die Wohnanlage.
Von Sabrina Micheler
Nußdorf-Debant – Wolken hängen über dem Lienzer Talboden, als sich Ehrengäste und Dorfbewohner Richtung Kirche in Debant begeben. Die Musikantinnen und Musikanten sowie die Schützen nehmen vor dem neuen Familiendorf Aufstellung, die Instrumente glänzen, die Hüte sind mit Blumen geschmückt. Plötzlich wird es ein wenig unruhig, Kinder laufen zu ihren Müttern, die anwesenden Festgäste erheben sich von den Bänken. Andreas Pfurner, Bürgermeister der Marktgemeinde Nußdorf-Debant, nimmt Tirols Landeshauptmann Günther Platter, SOS-Kinderdorf-Präsident Helmut Kutin und Franz Robitsch, Vorsitzender von SOS-Kinderdorf Osttirol, in Empfang. Zu viert schreiten sie die Front der heimischen Musikkapelle und Schützenkompanie ab, eine Fanfare ertönt, die Schützenkameraden begrüßen die Ehrengäste mit einer Salve und Kinder beginnen aufgrund des eindrucksvollen Abfeuerns der Geschütze zu weinen.
Doch schnell gibt es wieder Grund zur Freude, auch für die Kinder. Schließlich wird das neue Familiendorf mit integriertem SOS-Kinderdorf in Nußdorf-Debant feierlich eröffnet. Die alten Häuser wurden vor zwei Jahren dem Boden gleichgemacht. Jetzt erstrahlt moderne Architektur im Dorfkern. „Die Häuser sind alt geworden und mit den jetzigen nicht mehr vergleichbar“, erzählt Nicole, die seit zehn Jahren im SOS-Kinderdorf wohnt. Früher war eine Mutter mit bis zu neun Kindern in einem Haus. Auf die Frage, ob sich Nicole mit ihrer Kinderdorfmutter auch gut verstehe, antwortet die Jugendliche: „Ich harmoniere sehr gut mit meiner Kinderdorfmutter. Ich glaube aber, dass das nicht so üblich ist.“ Gelächter bricht aus, anwesende Mütter sehen ihre Kinder an und schmunzeln.
Auch die Sonne kommt immer wieder mal zwischen den Wolken hervor, die Stimmung wird ausgelassener. Kinderdorfmütter unterhalten sich angeregt mit anderen Müttern, die Kinder hüpfen umher. Derzeit ist ein neuer Spielplatz im Familiendorf in Bau. Schließlich sollen Kinder des SOS-Kinderdorfes gemeinsam mit den anderen jungen Bewohnern viel Platz zum Kennenlernen und Spielen haben. Geräte sind dabei nicht ausschlaggebend, das sieht man an den vielen strahlenden Kinderaugen und den lachenden Gesichtern. Zwei Mädchen spielen mit ihren Halsketten und haben dabei großen Spaß.
Nicole besucht die Kindergartenschule in Innsbruck, freut sich aber immer, am Wochenende nach Hause, in das SOS-Kinderdorf in Nußdorf-Debant, zu kommen. Grund dafür sind wohl auch die Mütter, die sich so herzlich um die Kinder und Jugendlichen kümmern und ihnen ein gemütliches Zuhause bieten. Eine von ihnen ist Daria Berger. Ihr ist das Wohl der Kinder wichtiger als das neu gebaute Familiendorf mit den modernen Wohneinheiten, sagt sie. Seit 2001 ist Berger nun Kinderdorfmutter und liebt ihre Arbeit, das sieht man auch beim Umgang mit den Kindern.
Eindrucksvoll schildert die deutsche Rechtsanwältin Rita Römer-Moch das Leben von Ursula Teichmann. Diese konnte selbst nie erfahren, wie es ist, Mutter zu sein, ihr war es aber ein Bedürfnis, mit ihrem Erbe Kindern nachhaltig zu helfen. „Teichmann hatte als Kind Flucht und Vertreibung erfahren und wollte, dass Kindern das erspart bleibt. Kinder sollen Glück und Geborgenheit bekommen“, so Römer-Moch. Teichmann spendete 3 Millionen Euro (die Gesamtkosten betragen knapp 6 Millionen Euro) an das SOS-Kinderdorf und erntet dafür großen Applaus und Dank.
Berger wünscht sich für die Zukunft mehr Mütter für das SOS-Kinderdorf und vor allem ein friedliches Zusammenleben. Dass das Zusammenleben zwischen dem SOS-Kinderdorf und den anderen Dorfbewohnern harmoniert, zeigt das gemeinsame Auftreten und Feiern bei der Eröffnung. Egal, wen man fragt, es kommt immer die gleiche Antwort: „Das Zusammenleben mit dem SOS-Kinderdorf klappt super und die Kinder verstehen sich von Anfang an gut“, lautet der Tenor. Sandra ist im September 2011 in eine Wohnung gezogen und ist mit der Anlage und den Nachbarn sehr zufrieden. „Im Familiendorf zu leben, ist ganz normal, wie auch irgendwo anders“, so Sandra. Da sind sich auch die Mitarbeiterinnen Sarah, Sabine, Christiane und Barbara einig. Sie haben guten Kontakt zur Nebenfamilie und auch die Kinder haben Kontakte geknüpft und Freundschaften geschlossen. Durch das integrative Projekt habe sich das so schnell ergeben.






