Goldmord: Kritik an Ermittlungen
Von Thomas Hörmann
Innsbruck – Der Mercedes der ermordeten Filialleiterin der Raika Strass stand am Donnerstag erneut im Zentrum der polizeilichen Ermittlungen. Der vielleicht beste Spurenexperte Österreichs und sein Team nahmen den Wagen zum wiederholten Mal in der Innsbrucker Polizeidirektion unter die Lupe. Damit ja nichts übersehen wird.
Für den Innsbrucker Rechtsanwalt Hansjörg Mader vergebliche Liebesmüh: „Zumindest von meinem Mandanten werden sie keine Spuren am Wagen finden.“
Der Jurist kritisiert, dass die Ermittlungen seiner Ansicht nach allzu einseitig geführt werden. So habe der verdächtige Polizist aus dem Bezirk Kufstein (der den Mord entschieden bestreitet) „für den Tatzeitpunkt ein Alibi angeboten und auch Personen genannt, die ihn am Abend des 15. März in Rattenberg gesehen haben. Diese Zeugen wurden aber bis heute nicht befragt.“ Ein Fehler, da mit jedem verlorenen Tag die Erinnerungen blasser werden würden.
Mader kritisiert weiters, dass bereits mehrfach die Wohnung des suspendierten Polizeibeamten durchsucht wurde. „Die Wohnung ist noch immer versiegelt, die Tochter meines Mandanten hat keinen Zutritt.“ Für den Untersuchungshäftling ein Problem – er möchte die Dienstwohnung aufgeben.
Der Polizist beteuert, nichts vom Verbleib der verschwundenen acht Kilo Gold im Wert von 333.000 Euro zu wissen. Der Anwalt regt daher an, in der Wohnung des Mordopfers nach dem Edelmetall zu suchen. „Oder in den Schließfächern der Raika-Filialen von Buch und Strass.“
Der beschuldigte Untersuchungshäftling erklärte mehrfach, dass die 49-jährige Bankmitarbeiterin (mit der er eine Beziehung hatte) einen Raub fingieren wollte. „Dazu hat ihr mein Mandant das Chloroform bei der Biochemie in Kundl besorgt. Das lässt sich alles nachweisen“, sagt Mader.
Der Anwalt ist überzeugt, dass die Raika-Angestellte das Gold wenige Stunden vor ihrem Tod an sich genommen hat: „Laut einer Bankmitarbeiterin hat die Filialleiterin erst kürzlich eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen. Außerdem hat sie ihre Mitarbeiterin entgegen den sonstigen Gepflogenheiten an jenem Tag früher nach Hause geschickt.“
Ein weiteres Indiz, das nach Ansicht Maders für den Verdächtigen spricht: „Mein Mandant ist einer der besten Pyrotechniker Österreichs. Und wenn er ein Auto (wie das des Mordopfers, Anm.) anzünden will, dann brennt das auch. Ein Fehler wie die geschlossenen Autoscheiben, die zum Ersticken der Flammen führten, würde ihm nicht passieren.“



