„Da heißt es dann: Die sollen doch daheimbleiben“
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Vor der Polizeidirektion in Innsbruck mit dem Anhaltezentrum, in dem Flüchtlinge ihre Schubhaft absitzen.Fotos: Hammerle
Foto: TT / Julia Hammerle
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Von Michaela Spirk-Paulmichl
Innsbruck – Ein normales Leben führen, in die Zukunft schauen: So würde ein Leben aussehen, das sich Flüchtlinge in Österreich erhoffen, das Ende einer oft langen Reise. Eine spezielle Stadtführung des Vereins Fluchtpunkt zeigt die Realität auf. Die „Höhepunkte“ auf dem Rundgang durch Innsbruck jenseits der heilen Welt, wie sie Touristen präsentiert wird: die Polizeidirektion, wo Flüchtlinge hinter vergitterten Fenstern ihre Schubhaft verbringen, unter Umständen 23 Stunden pro Tag in einer Zelle, bis zu zehn Monate lang. „Im Vergleich mit anderen europäischen Ländern geht Österreich hier sehr restriktiv vor“, sagt Kathrin Kofler von Fluchtpunkt.
Oder das unscheinbare, verschlossene Tor am Hauptbahnhof, durch das die in Zügen aufgegriffenen Flüchtlinge geführt werden, bevor es unverzüglich wieder in Richtung Brenner geht. „Dort angelangt, probieren sie es wieder und wieder. Trostloser geht es nicht“, sagt eine Zuhörerin, die der Einladung des Katholischen Familienverbands zu der Führung gefolgt war. In einem Innenhof in der Meinhardstraße, hinter der Flüchtlingskoordinationsstelle, erhält die Gruppe einen Einblick in die Komplexität eines Asylverfahrens. „Da sind selbst die Juristen überfordert“, sagt Christian Kayed, Stadtführer und ehemaliger psychosozialer Betreuer von Schubhäftlingen bei der ARGE Schubhaft. „Wie sollen Menschen damit zurechtkommen, die erst angefangen haben, Deutsch zu lernen?“
Die Gruppe wird von einem jungen Flüchtling begleitet, der viele dieser Stationen bereits hinter sich gebracht hat. Sie lassen sich am besten in Zahlen ausdrücken: Zweimal Schubhaft, zwei negative Asylverfahren, fünf Absagen vom Arbeitsamt, ein Leben in der Illegalität. Dass er seine Identität nicht preisgeben kann, ist bezeichnend für seine Situation. Nach sieben Jahren in Österreich könnte er jederzeit wieder verhaftet werden. Das Leben in seiner Heimat? Seine Flucht? Beides würde er gern hinter sich lassen, nach vorne schauen, doch mit drei Euro pro Stunde für gemeinnützige Tätigkeit ist das nicht möglich. Auch hier sei Österreich sehr restriktiv, sagt Kathrin Kofler. „In Deutschland erhalten Asylwerber schon nach einem Jahr eine Arbeitserlaubnis.“
„Es ist schockierend, wie wenig sich die Menschen für das Schicksal der Flüchtlinge interessieren“, sagt eine Frau aus der Gruppe. „Da heißt es höchstens, die sollen doch daheimbleiben.“ Bei der Führung erfahren Interessierte vieles über vom Staat provozierte Illegalität, über Wortkreationen wie „Kompetenzzentrum für aufenthaltsbeendende Maßnahmen“ und über den massiven Aufwand für die Reduzierung der Flüchtlingszahlen.
Zum Schluss liest Kathrin Kofler ein Zitat des Holocaust-Überlebenden Elie Wiesel vor: „Ihr, die so genannten illegalen Ausländer, solltet wissen, dass kein Mensch illegal ist. Das ist ein Widerspruch in sich. Menschen können gerecht sein, oder ungerecht. Aber illegal? Wie kann ein Mensch illgal sein?“ – Die nächste Führung findet am 10. Juli, 16 Uhr, über das Haus der Begegnung statt,




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