Pensionist, 65 Jahre alt, sucht dringend Beschäftigung
Große Unterschiede
In Tirol ist nicht nur das Lohnniveau niedriger als im Bundesdurchschnitt, sondern auch die Höhe der Pensionen. Die durchschnittliche Jahresnettopension betrug 2010 16.319 Euro und lag damit um drei Prozent unter dem Bundesdurchschnitt. Die höchsten Pensionen innerhalb Tirols wurden in Innsbruck ausbezahlt, sie lagen im Landesvergleich 13 Prozent vorn.
Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen setzen sich in der Pension fort. Ein Mann in Innsbruck hatte 2010 eine jährliche Netto-Durchschnittspension von 22.369 €, eine Frau erhielt 15.426 € (31 Prozent weniger). Quellen: Gesellschaft für Politikberatung und Politikentwicklung (ÖGPP), Statistik Austria
Von Michaela Spirk-Paulmichl
Innsbruck – Die gute Nachricht: Die Lebenserwartung wird weiter ansteigen, viele Menschen können ihre Zeit im Alter voller Vitalität genießen. Die schlechte Nachricht: Auch die Lebenshaltungskosten nehmen zu, in manchen Bereichen sogar massiv. Kommt noch der Faktor niedrige Pension hinzu, ergibt sich für immer mehr Ruheständler ein Dasein in einem Spannungsfeld. Eine Situation, die zunehmend Senioren auf Arbeitssuche gehen lässt.
So hat die Zahl der geringfügig beschäftigten Männer ab 65 Jahren in Tirol in nur einem Jahr um 13 Prozent und damit stark zugenommen, sagt Anton Kern, Landesgeschäftsführer des Arbeitsmarktservice Tirol. Wurden im März 2011 noch 1314 arbeitende Pensionisten gezählt, waren es in diesem Jahr bereits 1487. Zum Vergleich: Ein Jahr zuvor hatte der Anstieg noch rund 2,50 Prozent betragen. Bei den Frauen fällt die Zunahme etwas geringer aus: Im März 2011 wurden 2314 arbeitende Seniorinnen gemeldet, ein Jahr später sind es 2515 (plus 8,69 Prozent). In den Zahlen noch gar nicht einberechnet sind die arbeitenden Pensionisten unter 65 Jahren, außerdem dürfte die Dunkelziffer sehr hoch sein.
Kern: „Vielen Menschen fällt in der Pension daheim die Decke auf den Kopf, sie wollen sich noch nützlich machen.“ Doch in noch mehr Fällen würden Senioren wegen ihrer niedrigen Pension einfach das zusätzliche Geld dringend benötigen.
Ein Bereich, der sich für Seniorenarbeit anbietet, ist hinter dem Steuer eines Taxis: „Die Arbeitszeiten sind flexibel, und davon können alle profitieren“, sagt Anton Eberl, Fachverbandsobmann für das Beförderungsgewerbe mit Pkw. Etwa 20 bis 30 seiner 400 Fahrer seien geringfügig Beschäftigte. „Manche arbeiten, bis sie 70 Jahre alt sind, einige wenige auch länger.“ Wer einen Tag in der Woche Taxi fahre, liege mit seinem Verdienst unterhalb der zulässigen Grenze.
Immer wieder haben Seniorenvertretungen eine Ausweitung der Zuverdienstmöglichkeiten für Pensionisten gefordert. Vorrangig ist für den Seniorenbund (ÖVP) und den SPÖ-nahen Pensionistenverband Österreichs aber die Angleichung des tatsächlichen Pensionsantrittsalters – derzeit liegt es bei etwa 57 Jahren – an das gesetzliche. „Nach dem Vorbild skandinavischer Länder sollten Arbeitgeber, die ältere Mitarbeiter frühzeitig kündigen, für die dadurch entstehenden Kosten aufkommen müssen“, sagt Richard Mayr, Landessekretär des Pensionistenverbands.
„In Österreich wurden jahrzehntelang Leute mit 50 Jahren in Pension geschickt“, sagt Helmut Kritzinger, Landesobmann des Seniorenbunds. Damit habe man zwar stolz geringe Arbeitslosenzahlen vorweisen können, doch diese seien falsch. „Das gesetzliche Pensionsantrittsalter muss eingehalten werden.“ Auch er setzt sich für das nordische Modell ein: „Werden Leute früher ,abgeschoben‘, sollten sie Prämien erhalten.“ Es müsse für den Arbeitgeber schwieriger werden, einen älteren Mitarbeiter frühzeitig loszuwerden. Schuld an der derzeitigen Situation sei der Gesetzgeber. Die Folge wäre, dass Ältere auch einer gewissen Diskriminierung am Arbeitsplatz ausgesetzt seien. „Mitunter sind sie regelrecht Vogelfreie, die von den Kollegen abgeschossen werden können.“
Wie prekär die finanzielle Situation für manche Senioren aussieht, lässt sich auch anhand der Anzahl der Ausgleichszulagenbezieher ablesen: Im Dezember 2010 wurden in Tirol 21.142 Menschen gezählt, deren Eigenpension so gering war – ihr monatliches Einkommen lag unter 814,82 Euro –, dass sie eine Ausgleichszulage von durchschnittlich 302 Euro pro Monat bekamen. In keinem anderen Bundesland sei die Ausgleichszulage so hoch gewesen, ist dem Bericht „Leben in der Stadt Innsbruck“ 2012 der Österreichischen Gesellschaft für Politikberatung und Politikentwicklung (ÖGPP) zu entnehmen. Es könne angenommen werden, dass allein in Innsbruck etwa 3600 Ausgleichszulagenbezieher lebten – alle unter der Armutsgefährdungsgrenze, heißt es in der Studie.







