Mitten im Leben trotz MS
Von Nicole Unger
Innsbruck – Etwa 10.000 Menschen in Österreich leiden an Multipler Sklerose (MS), 700 davon leben in Tirol. Die entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems (Gehirn und Rückenmark) bleibt bis heute ein Rätsel, die genaue Ursache ist unbekannt.
„Es gibt kein Virus und es gibt auch nicht das MS-Gen, das zu einer Erkrankung führen kann“, erklärt Thomas Berger, Neurologe und MS-Spezialist an der Uni-Klinik Innsbruck am heutigen internationalen MS-Tag. Es besteht allerdings ein Zusammenhang zwischen einer individuellen Bereitschaft, die man in sich trägt, und Triggerfaktoren wie Infektionen und äußeren Lebensumständen, die schlussendlich zum Ausbruch führen. Vom 20. bis zum 30. Lebensjahr tritt die Autoimmunerkrankung, die sich in Schüben äußert, am häufigsten auf, die Symptome sind unterschiedlich. Gefühlsstörungen in Armen oder Beinen oder einseitige Sehstörungen, die mindestens 24 Stunden anhalten, können typische erste Anzeichen sein.
MS ist eine ernste und tückische Krankheit, doch dank neuer Therapien haben sich die Aussichten für Patienten verbessert. Brachte man vor 20 Jahren Multiple Sklerose unweigerlich mit einem Rollstuhl in Verbindung, ist heute auch mit MS ein aktives Leben inklusive Beruf und Familie möglich. Betroffene haben gute Chancen, mit weniger Behinderung und mehr Lebensqualität leben zu können. Durch bessere Medikamente kann es mitunter sein, dass die Symptome nach dem Erstschub überhaupt nicht mehr auftreten. „Unser Ziel ist es, die Krankheit nicht nur zu verzögern, sondern einzuschränken“, sagt Berger, der mit seiner Innsbrucker Arbeitsgruppe „Neuroimmunologie und MS“ seit Jahren MS auf der Spur ist. In einem Interview mit der Tiroler Tageszeitung vor zweieinhalb Jahren sagte der Neurologe noch: „Ziel wäre es, mit Biomarkern zu erkennen, wie schnell und ob überhaupt ein Patient einen neuen Schub bekommt und welche individuelle Therapie MS am besten stoppen kann.“ Heute ist man diesem Ziel bereits einen Schritt näher gekommen. Mit Kollegen aus Wien und Graz entwickelten die Innsbrucker Forscher tatsächlich einen etablierten Biomarker, der MS von einer schwerer verlaufenden Subform von MS – der MS Neuromyelitis optica (NMO) – unterscheiden kann. Durch das Testsystem lassen sich Antikörper bestimmen, die gezielt auf NMO hinweisen. So könne man Medikamente individueller einsetzen und falsche Therapien ausschließen.
Ein wichtiger Schritt, ist Berger überzeugt. Genauso wie es wichtig ist, mit Vorurteilen aufzuräumen. Aus diesem Grund veranstaltet die „Multiple Sklerose Gesellschaft Tirol” heute in Innsbruck am Burggraben/Franziskanerplatz von 14 bis 18 Uhr eine Infoveranstaltung. Außerdem ist man gerade dabei, für 2015 MS-Sportspiele in Tirol zu planen. Diese sollen daran erinnern: Auch mit MS ist ein aktives Leben möglich.



