Tiroler „Jackpot-Anwalt“ sorgt mit Casino-Video für Wirbel
Wien – Vor der nächsten Runde im „Jackpot-Prozess“ gegen die Casinos Austria rund um einen mutmaßlichen Millionengewinn eines Schweizers sorgt ein Video für Wirbel. In einer 22-minütigen Kurz-Doku, die der APA vorliegt, holt der Tiroler Thomas Kerle, Anwalt des Schweizers und Initiator des Videos, zum Rundumschlag gegen die Casinos Austria aus. Darin erheben Ex-Casino-Mitarbeiter sowie der Salzburger Spielerschützer Roman Neßhold schwere, großteils bekannte Vorwürfe gegen die Casinos Austria. Kritik übt die Kurz-Doku am Umgang der Casinos Austria mit Spielsüchtigen bzw. deren Sperrpolitik sowie an den so genannten Spielerkrediten. Ein angeblicher Ex-Angestellter behauptet etwa, dass Gäste, die sich sperren lassen wollten, vom Management aufgefordert wor- den seien, wiederzukommen.
Im Zentrum des Videos steht aber der Fall des Schweizers Behar Merlaku. Der Bodenleger hatte im März 2011 im Casino Bregenz den Automaten-Jackpot geknackt, den Gewinn von fast 43 Mio. Euro aber bis heute nicht gesehen. Die Casinos Austria verweigerten die Auszahlung, weil es sich um einen Softwarefehler handle. Merlaku verklagte die Casinos auf 5 Mio. Euro, auf ein Vergleichsangebot der Casinos über 500.000 Euro war er nicht eingegangen. Am Freitag wird der Prozess fortgesetzt. Die Casinos hätten nach dem Vorfall den Automaten abgebaut und hielten ihn unter Verschluss, ebenso die Spielerkarte. So etwas habe er noch nie erlebt, sagt Anwalt Kerle.
Aufgegriffen wird im Video auch ein internes Strategiepapier der Casinos zur Abwehr von Konkurrenz, über das vor Jahren berichtet wurde. Auch Geld, das die Casinos lange Zeit Stammgästen vorgestreckt haben, ist Thema. Es grenze ans Kriminelle, dass man Spielern Geld zum Zocken gebe, meint Spielerschützer Neßhold im Video. Er leitet das „Institut Glücksspiel & Abhängigkeit“ in Salzburg, das auch vom Automatenkonzern Novomatic – Rivale der Casinos Austria – finanziert wird.
Der Tiroler Anwalt Kerle – er war für die TT nicht erreichbar – spricht im Film von „gezielter Beeinflussung“ in Richtung Finanzministerium. Der Staat verleihe sich Spielbanklizenzen selbst „über den Umweg“ Casinos Austria. Angesichts der laufenden Ausschreibung der Spielbanklizenzen sorgt dies für Aufruhr.
Casinos Austria weist die Vorwürfe zurück und will rechtliche Schritte „gegen Falschaussagen mancher Akteure“ prüfen, so ein Casino-Sprecher. Er mutmaßt, dass vor dem Jackpot-Prozess mit dem Film Stimmung gemacht werden soll. (TT, APA)



