Islamisten bedrohen unverschleierte Frauen in Mali
Die Islamisten im Norden Malis terrorisieren nach Berichten von Augenzeugen zunehmend die Bevölkerung. In dem Ort Goudam nahe Timbuktu hätten bewaffnete Anhänger der islamistischen Gruppe Ansar Dine Frauen, die am Brunnen Wasser holten, angegriffen. Die Männer drohten den Frauen, die nicht voll verschleiert waren, mit Peitschenhieben, berichtete ein Bewohner Goudams der Nachrichtenagentur dpa.
Seinen Namen wollte der Augenzeuge aus Angst vor den Islamisten nicht veröffentlicht sehen. „Die Menschen hier sind schockiert.“ Die Frauen seien vor den aggressiven Islamisten geflohen. Noch am Freitag hätten viele Bürger der 16.000 Einwohner zählenden Stadt auf dem Weg in die Moschee zum Freitagsgebet gegen Ansar Dine protestiert und anti-islamistische Parolen gerufen. Angeblich sei auch das Haus eines Mitglieds der Ansar Dine besetzt und geplündert worden. Mehrere Personen seien später von der islamistischen Polizei festgenommen worden.
Ansar Dine sowie andere islamistische Gruppen und die Tuareg-Rebellen der MNLA (Nationale Bewegung für die Befreiung des Azawad) hatten Anfang April weite Gebiete im Norden Malis erobert. Dann vertrieben die Islamisten die Tuareg, die noch zuvor Seite an Seite mit ihnen gekämpft hatten. Sie wollen einen islamistischen Staat auf Grundlage der islamischen Rechtsprechung, der Scharia, errichten. Bisher haben islamische Fanatiker zahlreiche Kulturdenkmäler vor allem in Timbuktu zerstört. Malis schwache Zentralregierung hatte angekündigt, wegen der Verbrechen den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag anzurufen.
Der französische Präsident Francois Hollande sagte anlässlich des französischen Nationalfeiertags, er sei zu einer Militärintervention zur Beendigung der Unruhen in Mali bereit, betonte allerdings die Notwendigkeit, dass die afrikanischen Länder selbst entscheiden, welche Maßnahmen ergriffen werden sollen. Im Norden des Landes mache sich ein „strukturierter und organisierter Terrorismus“ breit, der das historische Welterbe zerstöre und auch die anderen afrikanischen Länder sowie Europa bedrohe, sagte Hollande.
aktualisiert: Sa, 14.07.2012 17:48





