06.08.2012
Tirol

Zerstörung in Virgen, Tote in Südtirol

Aufräumen nach den schweren Unwettern am Samstag in allen Teilen Tirols. In Südtirol kamen zwei Frauen unter den gigantischen Muren ums Leben, in Virgen spricht man von einer Jahrhundertkatastrophe.
Achtung! Das ist nur ein Mustertext. Achtung! Das ist nur ein Mustertext.Foto: Fotohinweis
Foto: Brunner

Virgen, Sterzing – Es ist eine Jahrhundertkatastrophe, welche die Osttiroler Gemeinde Virgen heimsuchte. Am Samstagnachmittag führten massive Unwetter zu mehreren Murenabgängen direkt ins Ortsgebiet. Der angeschwollene Virgenbach vernichtete je zwei Brücken und Fußgängerstege. Ein unbesetzter Pkw wurde von der Mure 100 Meter weit mitgerissen. Gefährdete Bereiche wurden rasch abgesperrt, Häuser evakuiert. Knapp vor 17 Uhr war das Stromnetz lahmgelegt.

Die Muren führten in Virgen zu enormen Schäden. „Mindestens 22 Objekte sind betroffen“, berichtet Bürgermeister Dietmar Ruggenthaler im Gespräch mit der TT. „Glücklicherweise kamen keine Personen zu Schaden.“

Gestern waren die Aufräum­arbeiten voll im Gange. Der Gemeindechef: „110 Feuerwehrmänner sowie Bergretter und Polizisten sind im Einsatz.“ Auch Private legten Hand an. Zwölf Geräte und zwölf Lkw waren am Abtransport des Murenmaterials beteiligt. Günther Platter machte sich vor Ort ein Bild von der Katastrophe. BM Ruggenthaler: „Der Landeshauptmann hat Unterstützung des Landes zugesagt.“

Die schweren Unwetter haben in Südtirol gleich zwei Todesopfer gefordert. Landeshauptmann Luis Durnwalder dazu gestern Vormittag: „Das erste Todesopfer, eine 84-Jährige, wurde noch in der Nacht auf Sonntag in der Pfitscher Fraktion Afens geborgen, wo ihr Haus von abrutschenden Erdmassen vermurt worden war. Das zweite Opfer, eine Frau aus Tulfer, wurde Sonntagfrüh im Schlamm gefunden, nachdem auch ihr Haus von einer Mure verschüttet worden war.“ Zwischen Samstag 17 Uhr, und Sonntag 3 Uhr Früh sind 86 Liter Niederschlag pro Quadratmeter verzeichnet worden. Die Sachschäden sind enorm. Neben Wohngebieten – Teile von Wiesen, Sterzing und Thuins mussten zeitweise evakuiert werden – ist die Infrastruktur betroffen. „Die Brennerbahnstrecke ist an mehreren Stellen vermurt, Gleise und Bahnkörper wurden unterspült“, so der für den Zivilschutz zuständige Landeshauptmann. „Zwischen Sterzing und Brenner wird die Wiederherstellung ersten Schätzungen zufolge rund 14 Tage in Anspruch nehmen“, erklärte Durnwalder gestern. Die Straßen konnten indes schon gestern bis auf die Straße nach Pfitsch alle wieder für den Verkehr freigegeben werden. Seit Samstagabend waren rund 480 Einsatzkräfte im Dauereinsatz.

Im Bezirk Kitzbühel konnte die Loferer Bundesstraße zwischen Kirchdorf und Waidring wieder freigegeben werden, nachdem die Straße mit Betonwänden gesichert worden war. Auch der vor Jochberg gesperrte Pass Thurn ist wieder befahrbar.

Die Seefelder Straße war nach einem Murenabgang Sonntagnacht wieder befahrbar, einzig die Bahnstrecke zwischen Scharnitz und Seefeld blieb gesperrt.

Im Bezirk Reutte waren am Tag nach dem großen Schlagwetter alle Straßen wieder frei passierbar. Die Planseestraße war zeitweise aber erst einspurig befahrbar. Heiterwanger waren mit der Schneeschaufel ausgerückt, um der Unmengen an Hagelkörnern Herr zu werden. (func, fell)

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Mo, 06.08.2012
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