Giftiger Zucchini setzte Tirolerin bitter zu
Vorsicht, bitter!
Zucchini zählen genauso wie Kürbisse, Gurken und Melonen zu den Kürbisgewächsen. In ihrer Genetik stecken Bitterstoffe. Schmecken Zucchini extrem bitter, könnten sie den giftigen Inhaltsstoff Cucurbitacin enthalten.
Normalerweise ist dieser Stoff aus den essbaren Formen der Kürbisgewächse herausgezüchtet worden. In Zierkürbissen ist die Substanz allerdings noch enthalten. Da die Befruchtung der Kürbisgewächse durch Insekten erfolgt, könnte durch eine unkontrollierte Rückkreuzung mit Zierkürbissen das Cucurbitacin wieder in der Kulturform auftauchen.
Auch Stresssituationen, wie etwa Hitze, begünstigen die Entstehung des Bitterstoffes.
Experten raten, Kürbisgewächse vor der Zubereitung zu kosten. Schmecken sie bitter, dann sollte man die ganze Frucht wegwerfen.
Außerdem ist es ratsam, keine im Garten wild aufkommenden oder aus eigenem Samen aufgezogenen Kürbisgewächse zu essen. Das heißt, Hobbygärtner sollten die Saat nicht nach der Saison herausnehmen und wieder einsetzen.
Von Nicole Unger
Barwies – Normalerweise ist Gemüse gesund. Der spezielle Fall von Maria Kuhnert aus Barwies stellt wohl eine Ausnahme dar. Es war ausgerechnet der Freitag, der 13. Juli, als die 59-Jährige nach dem Verzehr von drei kleinen Zucchini aus ihrem eigenen Garten mit einer schweren Lebensmittelvergiftung im Spital landete.
Wie die Giftstoffe in die Zucchini geraten konnten, darüber wird nun spekuliert. Womöglich ist es zu einer genetischen Rückkreuzung mit einem Zierkürbis gekommen und das Gemüse wurde durch die Bestäubung eines Insekts kontaminiert, lautet eine Theorie.
Kuhnert jedenfalls versteht die Welt nicht mehr. „Ich habe damals Antipasti mit meinen Zucchini und viel Öl zubereitet. Mir fiel auf, dass das Gericht sehr bitter schmeckte, habe es aber trotzdem aufgegessen. Mein Mann war bereits satt und hat daher nur zwei Bissen gekostet“, erinnert sich die Tirolerin.
Was dann passierte, hätte sich die Hausfrau beim besten Willen nicht träumen lassen. „Mein Mann musste sich einmal übergeben. Aber mir war kotzübel. Ich erbrach mich mehrmals, hatte Blut im Stuhl und weißen Schaum vor dem Mund. Die Situation war bedrohlich“, schildert die 59-Jährige, die daraufhin mit dem Notarzt ins Krankenhaus Zams eingeliefert wurde.
Selbst die Ärzte rund um den stellvertretenden Leiter der Inneren Medizin, Hans-Robert Schönherr, hatten so einen Fall wie jenen von Maria Kuhnert zum ersten Mal gesehen. „Dieser Fall war auch für uns eine komplett neue Erfahrung. Wir haben zunächst geglaubt, es handle sich um eine normale Durchfallerkrankung. Bei Frau Kuhnert ist aber ein Leberversagen hinzugekommen. Es handelte sich um eine ordentliche Vergiftung“, berichtet Schönherr. Der 59-Jährigen sei es schlecht gegangen. „Wir haben die Patientin gefragt, was sie denn gegessen hätte“, schildert der Arzt. Der Zucchini stellte sich dabei eindeutig als Übeltäter heraus.
Wie die Giftstoffe, so genannte Cucurbitacine, in den Zucchini gelangen konnten, darauf hatten die Ärzte aber keine Antwort. „Ein solcher Fall ist in der medizinischen Literatur nicht beschrieben“, so Schönherr.
Auch Alfred Unmann, Referent für Gemüsebau der Landwirtschaftskammer Tirol, hat von einer solchen Begebenheit das erste Mal gehört, liefert aber zwei mögliche Erklärungen: „Bittere Stoffe stecken in der Genetik von Kürbisgewächsen. Bei Zierkürbissen weiß man das, darum isst man sie nicht“, sagt der Experte. Auch Zucchini würden – genauso wie Gurken – zu den Kürbisgewächsen gehören. Es könne sein, dass es eine genetische Rückkreuzung gegeben hat und die Zucchini-blüte von einem anderen Kürbis durch ein Insekt befruchtet wurde. Solche Kreuzungen können beispielsweise durch eine Biene auch über weite Entfernungen erfolgen.
Allerdings ist es so, räumt Unmann ein, dass dies normalerweise nur bei Pflanzen passiert, die aus eigenen Samen aufgezogen wurden, also einem Saatgut, das nach einer Saison herausgenommen und wieder eingesetzt wurde. Frau Kuhnert habe das Saatgut aber frisch gekauft. „Es kann aber auch sein, dass eine Stresssituation, wie Hitze, die Entstehung des Bitterstoffes begünstigt hat“, lautet die zweite Theorie des Fachmanns.
Wie dem auch sei: Maria Kuhnert ist jetzt erst einmal froh, dass sie wieder einigermaßen gesund ist. Zehn Tage lang war die Barwieserin im Krankenhaus, bekam Infusionen und Spritzen. Eine fürchterliche Zeit, wie sie erzählt. „Ich hatte Dauer-Durchfall, musste erbrechen und lag eingekringelt vor Schmerzen wie eine Ringelnatter im Bett.“ Vier Kilo habe sie verloren. „Ich habe zwei Kinder geboren, hatte aber das Gefühl, als würde ich zehn hintereinander bekommen“, beschreibt die zierliche Frau ihre Tortur.
Zucchini kommen der Hausfrau in nächster Zeit keine auf den Teller, die restlichen Früchte hat sie aus ihrem Garten verbannt. „Mein Garten ist nun eine Zucchini-freie Zone“, schildert Kuhnert. Aber wer weiß: „Irgendwann werde ich sicher wieder welche ansetzen.“ Angst wolle sie durch ihre Geschichte keine verbreiten, nur andere warnen und darauf hinweisen, dass man auf seinen Geschmack vertrauen sollte.
Auch Alfred Unmann versichert, dass Hobbygärtner keine Sorge zu haben brauchen. Panik sei unangebracht. Normalerweise würde man einen giftigen Zucchini sofort am bitteren Geschmack erkennen und ausspucken. „Am besten, man schneidet immer ein kleines Stück ab und kostet es“, rät der Experte.
Welche Giftstoffe nun wirklich in Kuhnerts Zucchini steckten, dem wollen nun Biologen vom Institut für analytische Chemie der Universität Graz und die AGES Wien auf den Grund gehen. Dafür hat Kuhnert extra zwei bittere Übeltäter eingefroren. Die Probe wird hoffentlich das Rätsel um den Zucchini lösen.



