Aus dem Bauch heraus mit dem Tod spielen
![]()
Der Tiroler Autor Bernhard Aichner schickt seinen Krimihelden Max Broll in „Leichenspiele“ zum dritten Mal auf mörderisches Terrain.Foto: Fotowerk Aichner
Foto: Fotowerk Aichner
|
||
Von Christiane Fasching
Innsbruck – Man möchte diesem Max Broll eine reinhauen. Ihn an den Ohren ziehen und ihm den Kopf waschen. Muss der Kerl denn immer so impulsiv sein? Muss der Totengräber aus den Bergen denn überall seine Nase reinstecken, ohne auch nur eine Sekunde über die Konsequenzen nachzudenken?
Offenbar schon. So will‘s der Autor Bernhard Aichner, der seinem Krimihelden ein gar nicht heldenhaftes Profil auf den Leib geschrieben hat. Max Broll ist kein strahlender Gutmensch, vielmehr kann er manchmal ein verstörender Tunichtgut sein. Was jetzt aber gar nicht böse gemeint ist – denn allzu lang dauert der Broll-Groll dann auch wieder nicht. Dafür ist einem dieser Gefühlsdussel zu sehr ans Herz gewachsen.
Zwei Mal hat ihn Aichner bereits auf tödliches Terrain geschickt – und zwei Mal ist Bauchmensch Broll dem Tod von der Schippe gesprungen. Doch die mörderischen Machenschaften, mit denen er konfrontiert war, haben Spuren hinterlassen. Spuren, die sich durch Aichners dritten Krimistreich „Leichenspiele“ ziehen. Stiefmutter Tilda, die in „Für immer tot“ von einem irren Killer lebendig begraben und erst in allerletzter Sekunde wieder ausgebuddelt wurde, kann keine Leichen mehr ertragen. Was für eine Polizistin der Mordkommission denkbar blöd ist. Doch für Hanni, Max Brolls große Liebe, kam‘s noch viel schlimmer. Hanni ist nicht mehr – nur ein Grab erinnert noch an sie. Doch Max geht dieses Mahnmal des Todes gegen den Strich, er mag nicht mehr an sein Leid erinnert werden und verdünnisiert sich nach Thailand.
Dort steht dann eines Tages ein ziemlich betretener Baroni vor ihm. Der Ex-Fußballprofi ist pleite, sein Vermögen hat er verspielt und jetzt vermag er nichts mehr mit seinem Leben anzufangen. Und weil gute Freunde immer zusammenhalten, verlässt Max seinen Traumstrand und kehrt in sein altes Leben zurück. Baroni übernimmt Hannis Würstelstand und alles könnte so schön sein, wenn da nicht plötzlich jemand mit der Post Leichen an Baroni schicken würde. Leichen und ziemlich viel Geld. Und plötzlich stecken die Kumpels wieder mittendrin in einer mordsblöden Geschichte, die vor Blut nur so trieft und herz- und nierenlose Opfer mit sich bringt. Dass diese dann wiederum mit Obst und Gemüse verziert im Supermarkt landen, ist eine andere Geschichte.
„Und warum passiert uns das?“, fragt sich da Baroni. „Weil es zu uns passt“, weiß Broll. Stimmt – irgendwie passt der katastrophale Kuddelmuddel zu den trinkfesten Querköpfen, die in ihrem dritten Abenteuer nicht nur einmal die Grenze der Legalität überschreiten. Manchmal muss man eben ein bisschen böse sein, um Gutes zu tun. Sprachlich ist Aichner seinem Stakkato-Stil treu geblieben. So mancher Dialog hat Schusswechsel-Charakter und wirkt wie einem Drehbuch entliehen: Broll und Baroni würden ja auch fantastisch ins Patschenkino passen. Nichtsdestotrotz schlittert die Geschichte manchmal zu tief ins Thriller-Terrain, wirkt Broll manchmal zu cool und abgeklärt für diese Welt.
„Leichenspiele“ bleibt aber ein fesselnder Krimi, den man nicht mehr aus der Hand legen will. Aichner versteht sein Handwerk. Demnächst versucht er sich übrigens an einem Liebesroman. Klingt auch nicht unspannend.






