Brand in Telfs: „Feuer war definitiv Folge einer Brandstiftung“
Von Thomas Hörmann
Telfs – Ein türkisches Lebensmittelgeschäft verwüstet, vier Hausbewohner im Spital: So endete in der Nacht zum Montag ein Brand in der Anton-Auer-Straße in Telfs. Ein Brand mit einem menschlichen Verursacher – „das Feuer war definitiv die Folge einer Brandstiftung“, sagt Herbert Walch, Ermittler des Landeskriminalamtes. Unklar ist allerdings, ob das Feuer mit Absicht oder durch Fahrlässigkeit gelegt wurde.
Ausgebrochen dürfte das Feuer etwa gegen 3.20 Uhr sein. Sieben Minuten später erfuhren die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Telfs vom bevorstehenden Einsatz: „Kleiner Brand im Freien“, lautete die Alarmierungsmeldung der Leitstelle. Ein kleiner Brand mit vergleichsweise großen Auswirkungen: „Eigentlich brannten ja nur Kartonagen und Verpackungen, die vor dem Geschäft abgelegt waren“, schildert Feuerwehr-Sprecher Thomas Hagele die Situation am Brandort. Die Hitze ließ allerdings die Auslagenscheibe des Lebensmittelgeschäfts bersten. Die Flammen fraßen sich ins Geschäftslokal, der Rauch gelangte sogar ins darüber liegende Wohngebäude.
„Wir überlegten, ob wir das Haus mit den etwa 20 Bewohnern evakuieren sollen“, erzählt Hagele. „Daher haben wir auch die Feuerwehren von Pfaffenhofen und Rietz um Unterstützung gebeten, um genügend Atemschutzgeräte zur Verfügung zu haben.“
Eine Evakuierung war dann doch nicht nötig: „Wir haben die Wohnungstüren gegen den Rauch abgedichtet und gleichzeitig mit dem Entlüften des Hauses begonnen“, so Hagele.
Vier Hausbewohner kamen den Feuerwehrmännern bereits im Stiegenhaus entgegen. „Wir haben sie ins Freie gebracht. Wenn überhaupt, dann haben sie eine ganz leichte Rauchgasvergiftung erlitten.“
Der Notarzt ging allerdings kein Risiko ein: Er ließ das Quartett von den Rotkreuz-Sanitätern ins Haller Krankenhaus bringen. Der Brand selbst war für die insgesamt 56 Feuerwehrmänner kein Problem: „Nach 20 Minuten hatten wir alles unter Kontrolle“, sagt Hagele. 63 Minuten nach der Alarmierung hatten die Freiwilligen alle Wohnungen kontrolliert und entlüftet, um 5.15 Uhr konnte der Einsatz beendet werden.
Für die Polizei ging‘s jetzt erst richtig los: Schon bald war klar, dass das Verpackungsmaterial in Brand gesteckt wurde. „Allerdings wissen wir derzeit noch nicht, ob Absicht oder ein Versehen dahintersteckt“, sagt Brandermittler Herbert Walch. Anders ausgedrückt: Eine achtlos entsorgte Zigarette kommt als Ursache ebenso in Frage wie ein Zündler mit einem Feuerzeug. „Hinweise auf einen Brandbeschleuniger haben wir nicht entdeckt“, so Walch weiter: „Ist aber auch schwierig zu beurteilen, da im Geschäft Benzinfläschchen gelagert waren, die teilweise vom Feuer erfasst wurden. Wir ermitteln jedenfalls in alle Richtungen.“
Der Telfer Bürgermeister Christian Härting appelliert nach dem nächtlichen Brand an alle Lokal- und Geschäftsbetreiber: „Es wäre halt wichtig, dass die Verpackungen nicht die ganze Nacht über draußen liegen bleiben. Es reicht, das Material kurz vor der Entsorgung ins Freie zu bringen.“
Ein Problem mit Brandstiftungen ortet Härting nicht: „Klar gibt‘s auch in Telfs immer wieder einmal derartige Fälle. Aber auch nicht öfter als in vergleichbaren Gemeinden.“ Der Bürgermeister glaubt auch nicht, dass ein politisches Motiv hinter der Brandstiftung steckt. „Das Geschäft gibt‘s ja schon lange, ohne dass etwas passiert wäre. Aber wenn die Polizei ihre Ermittlungen abgeschlossen hat, werden wir vermutlich mehr wissen.“
aktualisiert: Di, 11.09.2012 07:46






