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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 19.11.2012

Lügeng’schichten und Heiratssachen aus Moskau

Drei Tiroler bezahlten für eine vermeintliche Internetliebe zuletzt viel Geld. Die Dunkelziffer bei solchen Betrügereien ist wesentlich höher.

Von Marco Witting

Innsbruck – Liebesgrüße aus Moskau. Keine Agentengeschichte, aber doch ein Kriminalfall. Mindestens drei Männer aus Tirol zahlten in den vergangenen Monaten Geld an Frauen aus Russland. Viel Geld – damit die vermeintlich große Liebe aus dem Internet nach Tirol kommen kann. Doch es war alles nur ein Schwindel. Und längst kein Einzelfall.

Die Masche der Betrüger aus dem Internet ist nicht neu. Über einschlägige ausländische Seiten suchen „einsame und treue“ Frauen aus Osteuropa einen Partner in Österreich oder melden sich direkt über das Internet bei den Männern. Dann folgen schwülstige (Liebes-)E-Mails in mehr oder weniger gutem Deutsch, heiße Fotos von attraktiven Damen, der Wunsch, zu heiraten, und die Aufforderung, zu zahlen – damit die Frau überhaupt ausreisen kann. Kaum hat der Mann dann gezahlt, bricht der Kontakt ab. Zuletzt passierte das unter anderem einem Zillertaler, der dabei seine gesamten Ersparnisse verlor.

„Wir hatten auch in der Vergangenheit den ein oder anderen Fall. Ich schätze, dass die Dunkelziffer aber viel höher liegt“, sagt Andreas Oberlechner vom AK-Konsumentenschutz. „Wenn jemand da hineingefallen ist, dann ist das den Männern oft besonders peinlich und sie melden den Vorfall nicht.“ Dieser Heiratsschwindel sei vergleichbar mit Betrügereien, bei denen den Betroffenen ein großer Geld- oder Autogewinn versprochen wird. „Die Masche ist dieselbe. Die Leute werden aufgefordert, kleine Geldsummen zu überweisen. Und unter verschiedenen Vorwänden wird dann immer mehr Geld herausgelockt.“

Die Betrüger spielen dabei mit den Wünschen und Emotionen der Geschädigten. „Oft sind die Hoffnungen der Menschen stärker als die Überlegungen, die sie treffen“, sagt Oberlechner. Besonders auffällig sei, dass bei derartigen Fällen die Betroffenen stets zur Diskretion gedrängt werden.

Im Fachbegriff heißt diese Betrugsmasche übrigens Love-Scammer. In Tirol gibt es bei der Polizei noch wenige Fälle. Beim Bundeskriminalamt (BKA) in Wien berichtet man von „bis zu fünf pro Woche“. Klar ist: „Es ist besonders schwer, an die Täter heranzukommen und das Geld wieder zurückzubekommen“, heißt es von Seiten einer BKA-Sprecherin.

Experten raten dazu, den Kontakt sofort zu blockieren und nicht auf die Forderung einzugehen.