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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 28.11.2012

Interview

Keine Angst mehr vor Klischees

Thomas Stipsits und Manuel Rubey haben sich nicht gesucht und doch gefunden. Am Montag bekommen „das ewige Talent“ und „der Waldorf-Schüler, der mal Falco war“ den Österreichischen Kabarettpreis.

Für Ihr Kabarett-Programm „Triest“ werden Sie am 3. Dezember mit dem Österreichischen Kabarettpreis ausgezeichnet. In der Begründung heißt es, dass Sie sich für die Rollenaufteilung „der Schöngeist und die Rampensau“ entschieden haben. Wer ist da wer?

Thomas Stipsits: Der Schöngeist ist schon eher der Manuel, der bringt so eine Melancholie in das Ding rein. Bei mir wirkt das nie so berührend, ich bin mehr der Mann fürs Grobe.

Dann sind demnach also Sie die Rampensau?

Stipsits: Wird wohl so sein.

Manuel Rubey: Ich glaube auch, dass die Zuteilung so gemeint war – wobei ich gleichzeitig glaube, dass in uns beiden sowohl Rampensau als auch Schöngeist stecken.

Stipsits: „Der G‘scheide und der Blöde“ wäre auf alle Fälle unangenehmer gewesen.

Ihre Freundschaft hat beim Dreh für die Glavinic-Verfilmung „Wie man leben soll“ begonnen. War das „Liebe auf den ersten Blick“?

Rubey: Es hat echt gleich „Clash“ gemacht. Und das hat sicher auch mit David Schalko zu tun, der damals Regie geführt hat – und dem wir sehr viel zu verdanken haben. Damals hat er auch sein Handwerk noch nicht so gut verstanden, weshalb der Dreh wahnwitzig lang gedauert hat. Deshalb hatten wir so viel Pause und da sind wir dann ins Reden gekommen.

Stipsits: Man spürt ja eh sofort, ob eine Chemie vorhanden ist oder nicht. Und bei uns hat sich das vom ersten Moment an richtig angefühlt.

David Schalko hat auch bei der Erfolgsserie „Braunschlag“ Regie geführt, bei der Sie erneut gemeinsam vor der Kamera gestanden sind. War der Dreh so amüsant, wie man‘s vermutet?

Rubey: Ja. Das Ganze hatte etwas von einem super Schulskikurs. Leider fangen die „Making-of“-Szenen auf der DVD nur ansatzweise ein, wie lustig die Zeit wirklich war. David hat mit seinem iPhone ein bisserl mitgefilmt und daraus was zusammengeschustert. Hätte man das professioneller aufgezogen, hätte man den Menschen noch viel mehr Spaß bereiten können.

Stipsits: Wir haben da alle zusammen in einem Hoteldorf gewohnt und wahnsinnig tolle Feste gefeiert. Eine super Zeit!

Schalko soll auch die Sitcom „Salambo“ produzieren, bei der Sie ein schwules Pärchen mit Beziehungsproblemen spielen sollen, das ein Stundenhotel betreibt. Wie ist‘s um dieses Projekt bestellt?

Rubey: Das wüssten wir selber gern – wir sind erstmals mit dieser Mühle konfrontiert, die nicht immer leicht zu durchschauen ist. Wir sind seit einem Jahr dran und ich glaub‘, dass wir jetzt bei der richtigen Form gelandet sind – bei einer Drama-Serie auf lustig. Vor Weihnachten soll sich entscheiden, ob 2013 gedreht wird.

Stipsits: Wenn es dabei bleibt, dann hat das eine ganz eigene Ästhetik, die sich von bisher bekannten Sitcoms unterscheidet. Uns war total wichtig, dass auch ein tragischer Anspruch dazukommt – dadurch kriegt‘s eine eigene Komik.

Gibt man bei Google Manuel Rubey ein, taucht an zweiter Stelle als Vorschlag „schwul“ auf. Auf Ihrer Homepage steht, dass Sie damit auf Platz eins kommen wollen. Warum?

Rubey: Eigentlich ist mir das wurscht – aber ich seh‘ das ein bisserl als Gegenangriff, weil ich es so absurd finde, was das noch immer für ein Aufreger ist, wenn sich Männer küssen – oder mehr.

Stipsits: Ich find‘s interessant, was da für Spekulationen auftauchen. Freunde von mir haben Zuschauer bei „Triest“ belauscht, die fix davon überzeugt waren, dass wir privat ein Pärchen sind. Solche Gerüchte muss man schüren. (lacht)

In „Triest“ nennen Sie sich „das ewige Talent“ (Stipsits) und „der Waldorf-Schüler, der mal Falco war“ (Rubey) – gibt‘s die Etiketten noch?

Rubey: Na ja, jetzt sind wir halt schwul. (lacht)

Stipsits: Ich war ewig der Nachwuchs-Kabarettist, mittlerweile bin ich vielleicht der normale Kabarettist. Aber eigentlich hat das Beiwort „Nachwuchs“ auch was Gutes – da hat man immer Luft nach oben.

Rubey: Ich hab‘ das Gefühl, dass sich langsam das Selbstbild dem öffentlichen Bild angleicht. Deshalb schau‘ ich mittlerweile auch glücklich auf die „Falco“-Geschichte zurück – weil sie für mich richtig war. Aber es gab schon Momente, in denen es anstrengend war, auf diese eine Rolle reduziert zu werden. Manche Leute haben sich nicht einmal die Mühe gemacht, herauszufinden, wie ich wirklich heiße ...

Was wäre aus Ihnen geworden, wenn Sie nicht auf der Bühne oder vor der Kamera stehen würden?

Stipsits: Ich wollte Religionslehrer werden, aber vor dem Inskribieren kam dann das Kabarett dazwischen. Die Religionsthematik finde ich aber nach wie vor spannend.

Rubey: Ich wollte schon als Kind Schauspieler werden. Als ich aber dann meinen Zivildienst auf der Psychiatrie gemacht habe, hätte mich auch ein Job im Sozialbereich gereizt. Und dann hab‘ ich auch noch vier Semester studiert, weil ich das Gefühl hatte, dass ich was G‘scheites machen muss – absurderweise hab‘ ich dann Philosophie und Politikwissenschaften inskribiert ...

Als Kind hab‘ ich auch davon geträumt, Sportreporter oder Formel-1-Fahrer zu werden. Ich wollte einen sitzenden Beruf, bei dem man viel Geld verdient und wenig arbeitet.

Steffi Werger verspürt im Titelsong zu „Triest“ Sehnsucht nach Florenz – wonach haben Sie Sehnsucht?

Stipsits: Ich hab‘ manchmal Sehnsucht nach der Sehnsucht – ich mag das Gefühl, mich wohin zu träumen.

Rubey: Ich hab‘ Sehnsucht danach, den Beruf und das eigentliche Leben besser in Einklang zu bringen. Und vielleicht auch einmal zu lernen, „Nein“ zu sagen, damit man mehr zur Ruhe kommt.

Das Gespräch führte Christiane Fasching