Archiv

Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 20.12.2012

Mit göttlichen Düften gegen Krankheit und schlechte Laune

Die gebürtige Äthiopierin Amelework Tefera erzählt von Weihrauch und Myrrhe, ihren Ängsten um die alte Heimat und wie echte Hilfe aussieht.

Von Renate Schnegg

Innsbruck – Kein christliches Fest ohne Weihrauch. Vor allem rund um die Weihnachtsfeiertage hat das duftende Baumharz Hochsaison. Eine, die sehr genau um die kulturelle Bedeutung bzw. Anwendung von Weihrauch und Myrrhe Bescheid weiß, ist Amelework Tefera aus Innsbruck.

Sie stammt aus Äthiopien, lebt seit 1992 in Tirol und ist österreichische Staatsbürgerin. Regelmäßig fährt sie in ihre alte Heimat, deckt sich dort mit unterschiedlichen Weihrauch- und Myrrhe-sorten ein, aber auch mit traditionellen Baumwollstoffen, Schnitzereien und Töpferarbeiten, um sie dann auf Märkten in Tirol zu verkaufen.

Die Baumharze sind aus der Kultur Äthiopiens nicht wegzudenken: Kommt ein Kind zur Welt, wird es in duftende Rauchwolken gehüllt, um es zu säubern und Krankheiten fernzuhalten. Weihrauch wird zur Reinigung der Häuser ebenso eingesetzt wie als natürlicher Stimmungsaufheller. Und er darf bei keiner der täglichen Kaffee-Zeremonien des ostafrikanischen Staates fehlen.

Äthiopien ist eines der Hauptproduktionsländer von Weihrauch und Myrrhe, wie Tefera erklärt: „Die jährliche Produktion an Baumharzen liegt bei ca. 15.000 Tonnen. Rund 10.000 Tonnen werden lokal verbraucht, etwa 5000 Tonnen exportiert. Es könnte noch viel mehr produziert werden, allerdings ist der Trend rückläufig.“ Die Zahl der harzbringenden Bäume nehme stetig ab. Verantwortlich dafür seien viele Gründe, unter anderem die Abholzung der Weihrauch- und Myrrhe-bäume zur Brennholzgewinnung, Überweidung, Waldbrände, aber auch fehlendes Forstmanagement bzw. Bewusstsein der lokalen Bevölkerung sowie falsche Regierungspolitik.

„Wir wollen deshalb ein Projekt ins Leben rufen, bei dem wir mit einigen Gemeinden direkt zusammenarbeiten, um eine nachhaltige Weihrauch- und Myrrheproduktion in Äthiopien aufzubauen“, macht die 44-Jährige deutlich.

Tefera bringt den Tirolern aber nicht nur Wohlriechendes, sondern auch eine eindringliche Botschaft: „Äthiopien war einst ein begehrtes Handelsland, ist eines der ältesten christlichen Länder der Welt, reich an Geschichte und Kultur, ich denke da an die legendäre Königin von Saba. Äthiopien wird aber meist nur mit Hunger, Not und Krankheiten wie Aids in Verbindung gebracht.“ Es sei inzwischen schon so weit, dass immer weniger Touristen das Land besuchen, in der Meinung, es sei zu unsicher, „und Finanziers sich davor fürchten, in Äthiopien zu investieren“, fügt sie an.

Spenden seien gut und wichtig, „aber wenn sie über viele Jahre getätigt werden, schadet es dem Land schlussendlich. Man muss den Menschen helfen, damit sie sich selbst helfen können und ein Einkommen haben“, ist Tefera überzeugt. Deshalb kauft sie direkt bei den Produzenten ein, damit „das Geld dort ankommt, wo es hingehört“. Informationen unter ameleworktefera@gmail.com.