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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 21.12.2012

Ambulanz für Obdachlose öffnet im März

Caritas und Rotes Kreuz verwirk­lichen ein lang ersehntes Projekt. Menschen ohne Krankenversiche­rung werden medizinisch betreut.

Von Peter Nindler

Innsbruck – Wenige Tage vor Weihnachten ist für die beiden großen Hilfsorganisationen des Landes, Rotes Kreuz und Caritas, ein großer Wunsch in Erfüllung gegangen: Land Tirol und Stadt Innsbruck werden eine kostenfreie medizinischen Ambulanz für Menschen ohne Krankenversicherung und für Personen, die aufgrund sozialer oder psychischer Probleme Hemmschwellen vor Arztbesuchen haben, mit jährlich 60.000 Euro in Innsbruck unterstützen. „Damit kann die Ambulanz im März ihre Arbeit aufnehmen“, erklärt Tirols Caritas-Direktor Georg Schärmer gegenüber der Tiroler Tageszeitung. Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (VP) hebt in diesem Zusammenhang die äußerst positive Kooperation zwischen der Caritas und dem Roten Kreuz hervor.

Die Vorbereitungen für die Nichtversicherten-Ambulanz laufen seit Monaten. Nach einer Wohnungslosenerhebung und den aktuellen Zahlen der Armutskonferenz 2012 leben in Innsbruck rund 1000 Personen, die keine Krankenversicherung aufweisen. Caritas-Direktor Schärmer rechnet damit, dass rund 150 Menschen im Monat die Ambulanz aufsuchen werden. Sie werden dann von vorwiegend ehrenamtlich tätigen Ärzten, Pflegern, Sanitätern, Psychologen und Sozialarbeitern betreut sowie von Dolmetschern unterstützt.

Es ist eine breite Zielgruppe, an die sich das ambulante Hilfsangebot richtet: Sie umfasst Obdachlose, Österreicher und Migranten oder Asylwerber mit akuten Krankheitssymptomen und entsprechendem Heilungsbedarf, die wegen ihres rechtlichen Status keinen Zugang zu öffentlicher Gesundheitsversorgung finden. Oder denen schlichtweg das Geld für die notwendige medizinische Basisbehandlungen fehlt. „Gesundheit ist ein elementares Gut. Wir sind froh, dass wir dieses Projekt jetzt gemeinsam mit dem Roten Kreuz umsetzen können“, sagt Georg Schärmer.

Die Ambulanz soll auch eine Maßnahme zur Integration sein und Schritte zur Eingliederung in das gesellschaftliche System setzen, damit die Patienten wieder Zugang zur regulären Krankenversicherung erhalten. Im Mittelpunkt stehen jedoch die akute ärztliche Diagnostik, die Versorgung, die Früherkennung von Erkrankungen, die Vorbeugung von Folgeschäden durch Krankheiten sowie die Aufklärung über chronisch vorhandene Krankheitsbildern.

Eingerichtet wird die neue Ambulanz im bereich des Bahnhof-Sozialdiensts in Innsbruck, für die Adaptierung der Räumlichkeiten müssen rund 40.000 Euro aufgebracht werden. Für den Betrieb werden monatlich rund 6000 Euro veranschlagt, die jährlichen Kosten übernehmen das Land Tirol (40.000 Euro) und die Stadt Innsbruck (20.000 Euro). Ein Grundsatzbeschluss wurde jetzt gefasst. Das Rote Kreuz wird u. a Medikamente kostenlos zur Verfügung stellen. Der Chefarzt und Vizepräsident des Roten Kreuzes, Thomas Fluckinger, spricht ebenfalls von einem Meilenstein. „Wir wollen für Menschen da sein, denen es nicht so gutgeht. Wenn es um die Gesundheit geht, schauen wir hin und helfen.“