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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 27.12.2012

TT-Umfrage

Mehrheit für die Wehrpflicht, enttäuscht von Rot-Schwarz

Die Tiroler und Tirolerinnen sind für die Wehrpflicht und geben der Bundesregierung nur ein „Befriedigend“, ergibt eine TT-Umfrage.

Von Cornelia Ritzer

Wien – Das Jahr 2013 wird in Österreich ein Superwahljahr: Voraussichtlich im Herbst wird der Nationalrat neu gewählt, zuvor werden die Bürger in Niederösterreich und Kärnten (3. März) an die Urnen gerufen, es folgen Landtagswahlen in Tirol (28. April) und Neuwahlen in Salzburg (April oder Mai).

Den Auftakt zum Superwahljahr bildet die Volksbefragung am 20. Jänner 2013: Hier können die Österreicher darüber abstimmen, ob sie die bestehende Wehrpflicht oder die Einführung eines Berufsheeres wollen. Weiterhin die Wehrpflicht beizubehalten fordern ÖVP und FPÖ, für ein Profiheer rührt die SPÖ die Werbetrommel, auch die Grünen bevorzugen das neue Modell. Diese Woche gaben die Koalitionsparteien den Startschuss für den Kampf um Zustimmung für ihre jeweiligen Modelle: Während die Sozialdemokraten auf die Ineffizienz des jetzigen Wehrpflichtsystems hinwiesen, betonte die Volkspartei die Wichtigkeit von Wehrpflicht und vor allem des Zivildienstes.

Laut TT-Umfrage zum Jahreswechsel sind die Chancen, dass die Wehrpflicht bestehen bleibt, groß. 51 Prozent sind für die Beibehaltung von Bundesheer und Zivildienst in der bisherigen Form, dagegen favorisieren nur 32 Prozent die Einführung eines Berufsheeres samt freiwilligem Sozialjahr. Acht Prozent der Befragten geben keinem der zwei Modelle dem Vorzug: Sie finden, dass das Bundesheer überhaupt abgeschafft gehört. Ebenfalls acht Prozent wollen zu dem Thema drei Wochen vor der Volksbefragung keine Angaben machen.

Die größte Gruppe der Wehrpflicht-Befürworter sind die Über-50-Jährigen. Hier bevorzugen 60 Prozent das ÖVP-Modell, nur 28 Prozent können dem SPÖ-Modell etwas abgewinnen. Und während auch junge Tiroler zwischen 16 und 30 Jahren mehrheitlich (51 Prozent) für die Wehrpflicht sind, nimmt die Zustimmung danach ab. In der Altersgruppe von 31 bis 50 beträgt diese nur 41 Prozent, die Tendenz für ein Berufsheer steigt auf 40 Prozent an.

Dass junge Männer Wehrdienst oder Zivildienst leisten müssen, kommt bei Schülern und Studenten am wenigsten an (42 Prozent). Pensionisten können der Wehrpflicht dagegen am meisten abgewinnen (63 Prozent). 23 Prozent der Schüler und Studenten finden außerdem, dass das Bundesheer abgeschafft gehört. Die meisten Sympathien für ein Berufsheer samt sozialem Jahr hegen Beamte und Angestellte (39 Prozent), die wenigsten Selbstständige und Freiberufler (24 Prozent).

Bei den Wählern der Liste Dinkhauser und der FPÖ finden sich laut Umfrage die meisten Wehrpflicht-Anhänger. Jeweils 70 Prozent, die in der Sonntagsfrage für diese Parteien stimmen würden, sind für die Wehrpflicht. Bei potenziellen Grün-Wählern finden sich die meisten Berufsheer-Fans, nämlich 50 Prozent. Die SPÖ-Wähler liegen mit 41 Prozent dahinter.

Mittelmäßig ist laut TT-Umfrage die Zufriedenheit in der Bevölkerung mit der Bundesregierung. Vier Prozent der Befragten würden der seit vier Jahren bestehenden Koalition von SPÖ und ÖVP ein „Sehr gut“ geben, zehn Prozent ein „Gut“ und die größte Gruppe mit 41 Prozent ein „Befriedigend“. Ein „Genügend“ zücken 23 Prozent, „Nicht genügend“ urteilen 16 Prozent. Das ergibt einen Mittelwert von 3,4 – eine Note also, die eher zum „Befriedigend“ tendiert. Ohne Beurteilung schicken sechs Prozent der Befragten die große Koalition ins neue Jahr.

Am zufriedensten mit der großen Koalition sind dabei laut Befragung jene Tiroler, die bei einer Wahl nächsten Sonntag bei der ÖVP ihr Kreuzchen machen würden. Sie benoten die Performance von Kanzler Werner Faymann (SPÖ) und Vizekanzler Michael Spindelegger (ÖVP) mit der Note 3,06. Am kritischsten sind die potenziellen Wähler der Grünen: Ihre Beurteilung von 3,63 liegt unter dem Mittelwert aller Befragten. Dazwischen: SPÖ-Wähler (3,43), Liste-Dinkhauser-Unterstützer (3,45) und FPÖ-Anhänger (3,56).

Auch die Wähler in Osttirol scheinen mit der Arbeit von SPÖ und ÖVP einverstanden zu sein. Sie beurteilen die große Koalition mit der Note 3,09. Aufholbedarf besteht bei den Wählern im Tiroler Oberland, sie vergaben die Note 3,59. Dazwischen befinden sich das Tiroler Unterland (3,35), Innsbruck (3,42) und das Außerfern (3,52).