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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 29.12.2012

Lebenshilfe Tirol

50 Mitarbeiter zur Kündigung angemeldet

Bange Wochen für die Mitarbeiter des Therapiezentrums Eule: Heute erfolgt eine Frühwarnung an das Arbeitsmarktservice.

Innsbruck – Derzeit betreuen 70 Mitarbeiter im Therapie- und Förderzentrum Eule der Tiroler Lebenshilfe rund 700 entwicklungsgestörte Kinder und Jugendliche. Nachdem das Land den Stundensatz für die Therapien auf 44 Euro gesenkt hat, bangt die Eule um ihre Zukunft. Bereits in den vergangenen Jahren musste die Lebenshilfe der Eule stets finanziell unter die Arme greifen, das Therapiezentrum und sein ehemaliger Geschäftsführer waren Teil der Affäre rund um die Lebenshilfe. Seit Juli bemüht sich die neue Geschäftsführung jedoch um eine (inhaltliche) Sanierung.

Mit der Tiroler Gebietskrankenkasse konnte im Sommer ein Vertrag über krankheitsbedingte Therapiemaßnahmen abgeschlossen werden, doch das Gros betrifft die Behindertenhilfe. „Dass wir als Zentrum, das in der Therapie interdisziplinär arbeitet, bei der Leistungsabgeltung mit niedergelassenen Therapeuten verglichen werden, passt nicht zusammen“, sagt Betriebsrat Simon Jeller.

Laut Eule kann mit den neuen Stundensätzen die Therapie nicht kostendeckend durchgeführt werden, die Mehrkosten will man aber nicht auf die Eltern abwälzen, weil die Klienten vielfach aus sozial schwachen Familien stammen. So nimmt die Eule ab Jänner keine neuen Patienten im Zusammenhang mit der Behindertenhilfe auf. Das hat natürlich Konsequenzen für die Mitarbeiter, weil ein Großteil der Patienten verloren geht.

Ende der Woche haben sich Betriebsrat und Geschäftsleitung auf eine Frühwarnung an das Arbeitsmarktservice verständigt. 50 Mitarbeiter wurden vorsorglich zur Kündigung angemeldet, sollten die für Jänner geplanten Gespräche mit dem Land Tirol und der Gebietskrankenkasse erfolglos sein. „Unsere Mitarbeiter haben wir davon schon informiert“, betont Jeller. Er hofft auf Verständnis vom Land. „Wir wollen sachliche Auseinandersetzung und einen Neustart der Eule.“

Die Lebenshilfe will einerseits die Defizite nicht mehr abdecken. Und sollten Leistungen aus der Behindertenhilfe endgültig wegfallen, passt die Eule nicht mehr ins System der Lebenshilfe. Von einer neuen Trägerschaft bis hin zum Zusperren für das Therapiezentrum reichen derzeit die möglichen Zukunftsszenarien. Betriebsrat Jeller: „Wir hoffen, dass es doch noch eine Lösung mit dem Land für unser Therapiezentrum gibt, aber wir sind gleichzeitig realistisch.“

Die Eltern der betroffenen Kinder haben sich zu einer Plattform zusammengeschlossen und bereits 5000 Euro für den Fortbestand der Eule gesammelt. (pn, sst)