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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 30.12.2012

Mehr Tiroler mit Job und mehr ohne

Tirol bilanziert heuer laut AMS mit einem Job-Rekord und mehr Arbeitslosen, 2013 droht ein weiterer Anstieg der Arbeitslosigkeit. Jedem Zehnten ohne Beschäftigung wird mangels Job-Interesses die Unterstützung gekappt.

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Von Max Strozzi

Innsbruck – Das für 2013 prognostizierte Mini-Wachstum der Wirtschaft dürfte nicht ausreichen, um die Zahl der Arbeitslosen in Tirol zu senken. Davon geht Tirols AMS-Chef Anton Kern aus. „Die Nachfrage der Tiroler Unternehmen wird nicht kräftig genug ausfallen, um einen weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit zu verhindern“, befürchtet Kern. Damit droht im kommenden Jahr die Arbeitslosenquote in Tirol wieder über die Marke von sechs Prozent zu klettern. Kern rechnet 2013 mit etwa 600 Arbeitslosen mehr als heuer, im Jahresschnitt dürften dann knapp 20.000 Tiroler ohne Job sein, die rund 2000 Schulungsteilnehmer nicht inbegriffen. Der Beschäftigungszuwachs werde gleichzeitig geringer ausfallen als heuer. „Die Arbeitslosenrate in Tirol wird nächstes Jahr etwa 6,1 % betragen. Das ist zwar ein gutes Stück schlechter als 2008 (5,3 %, Anm.). Doch bundesweit ist Westösterreich in einer besseren Situation, weil neben Industrie, Handel und Gewerbe auch der Tourismus eine große Rolle spielt“, so Kern. Menschen mit geringer Ausbildung oder Gesundheitsproblemen würden stärker von Arbeitslosigkeit betroffen sein.

Das Budget des AMS Tirol wird 2013 um 3,4 Mio. auf 42 Mio. Euro aufgestockt. Knapp 30 Mio. Euro davon hat das AMS für mehrere Schwerpunkte eingeplant. Etwa für den Berufsabschluss für Erwachsene über den zweiten Bildungsweg. Geld fließt auch in die Ausbildung von Jugendlichen im Rahmen der Ausbildungsgarantie. Auch wird die Anstellung von Langzeitarbeitslosen durch Lohnzuschüsse für Unternehmen gefördert.

Aber: Mehr als jeder zehnte Arbeitslose zeigt laut AMS-Daten wenig Interesse an einem neuen Job. Insgesamt wurde heuer zwischen Jänner und November 2700 Tirolern das Arbeitslosengeld für mehrere Wochen gestrichen, weil sie zumutbare Jobs abschlugen oder sich nicht zu Pflichtkontrollen meldeten. Weitere 2200 Arbeitslose bekamen in den ersten vier Wochen kein Geld, weil sie ihren Job freiwillig kündigten oder wegen eines Verschuldens entlassen wurden.

Bereits im abgelaufenen Jahr ist die Zahl der arbeitslosen Tiroler gestiegen. „Auch wenn die Zahlen für Dezember noch nicht vorliegen, kann man davon ausgehen, dass heuer im Schnitt rund 19.300 Personen arbeitslos vorgemerkt sein werden, das sind rund 600 Menschen mehr als im Jahr 2011“, teilt Kern mit.

Gleichzeitig ist auch das Beschäftigungswachstum in Tirol stärker als erwartet auf einen neuen Job-Rekord geklettert. „Mit einem Plus von 5000 Personen waren in Tirol heuer knapp 306.000 Menschen beschäftigt, so viele wie noch nie“, berichtet Kern. Hauptverantwortlich für das Job-Plus ist allerdings zum einen die Zunahme der Teilzeitjobs, was besonders Frauen trifft. Zum anderen sind es Personen aus den neuen osteuropäischen EU-8-Staaten, die im Zuge der Arbeitsmarktöffnung in Tirol einen Arbeitsplatz fanden. Zu Spitzenzeiten im Februar arbeiteten mehr als 2500 Menschen aus den neuen osteuropäischen EU-Staaten in Tirol, drei Viertel davon im Tourismus.

Unterm Strich wird die Arbeitslosenquote in Tirol laut AMS heuer bei 5,9 % liegen und damit auf demselben Wert wie 2011 und 2010. Bei der Berechnung wird die Zahl der Arbeitslosen in Bezug auf das gesamte Arbeitskräftepotenzial gesetzt. Arbeitslose, die in AMS-Schulungen sitzen, scheinen in der Rechnung nicht auf. Zählt man die hinzu, lag Tirols Arbeitslosenquote bereits 2010 und 2011 bei mehr als 6 Prozent.

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