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Natura 2000

Ischgl hält an Piz Val Gronda fest

Trotz Bedenken der EU wollen die Silvretta Bergbahnen keine Verzögerungen bei der Erschließung des Piz Val Gronda hinnehmen.

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Von Peter Nindler

Innsbruck – Nach knapp 30 Jahren hat die Landesregierung unter Ex-LHStv. Hannes Gschwentner im September das umstrittene Seilbahnprojekt auf den Piz Val Gronda genehmigt. Umweltorganisationen wie der Alpenverein oder der Umweltdachverband liefen dagegen Sturm. Auch in Brüssel haben die Gegner der Erschließung Beschwerde eingereicht. Gleichzeitig fordert der Umweltdachverband schon seit Jahren 150 zusätzliche Natura-2000-Gebiete für geschützte Arten und Lebensräume in Österreich. In dieser Schattenliste sind auch der 2811 Meter hohe Piz Val Gronda in Ischgl wegen bestimmter alpiner Vegetationsformen, die Obere Isel in Osttirol wegen der schützenswerten Deutschen Tamariske (Pflanze) und Landschaftsgebiete mit besonderen Biotopen (Trockenrasen) im Oberinntal enthalten. An der Isel würde die Ausweisung eines Natura-2000-Schutzgebiets Kraftwerksvorhaben verhindern.

Die EU teilt die Bedenken und hat jetzt ein informelles Vorverfahren („EU-Pilot“) eingeleitet. Das ist die Vorstufe zu einem Vertragsverletzungsverfahren gegen Österreich. Betroffen sind alle Bundesländer, bis Ende Jänner muss eine gemeinsame Stellungnahme für die EU verfasst werden. Die Tiroler Landesregierung hat zumindest beim Piz Val Gronda nicht mit der Vorgehensweise der EU gerechnet, trotzdem gibt sich Umweltlandesrat Thomas Pupp (SP) gelassen. „Im Falle der Deutschen Tamariske an der Isel hat es schon einmal ein Vertragsverletzungsverfahren gegeben, das sich über Jahre hinzog und letztlich eingestellt wurde. Österreichweit haben wir den betroffenen Lebensraum sogar in höherem Ausmaß unter Schutz gestellt, als dies in der EU sonst üblich ist.“ Er ist überzeugt, dass die Hausaufgaben bei der Ausweisung der Natura-2000-Gebiete gemacht worden sind.

Die Kritik der Europäischen Kommission beim Piz Val Gronda führt Pupp noch auf das alte Seilbahnprojekt zurück. „Das neue Vorhaben mit der Vesilbahn und der Skipiste berührt die sensiblen Pflanzenarten nicht mehr.“

Für das Vorhaben der Silvretta Bergbahnen gibt es einen gültigen Naturschutzbescheid, daran will Pupp vorerst nicht rütteln. „Der vorläufige Schutz muss unverzüglich sichergestellt werden“, fordern hingegen Landessprecherin LA Ingrid Felipe und LA Gebi Mair von den Grünen.

Daran denkt der Geschäftsführer der Silvretta Bergbahnen Hannes Parth aber nicht. „Wir haben einen rechtsgültigen Bescheid und unser Projekt bereits bei der Seilbahnbehörde eingerecht.“ Das Verfahren nehme jetzt seinen Lauf, „Mair sollte lieber einen Kurs in Verwaltungsrecht belegen“. Außerdem werde man Ausgleichsflächen im Ausmaß von rund 25 Prozent zur Verfügung stellen.

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