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Landespolitik

Aufschrei der Ärzte wegen zu geringer Einkommen

Breite Unterstützung für Betriebsratschef der Spitalsärzte: Bundesärzte kritisieren Nulllohnrunde, Ärztekammer warnt vor Medizinermangel.

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Innsbruck – Der Betriebsratschef der Landesärzte an der Innsbrucker Klinik, Gerhard Hödl, hat eine Diskussionslawine losgetreten. Die personelle Situation an einigen Kliniken sei dramatisch, kritisierte er gegenüber der TT die finanziellen Rahmenbedingungen vor allem für Jung- ärzte und Oberärzte in Innsbruck. Der Aderlass an Medizinern ist groß, rund 70 Ärzte sollen fehlen.

Rückendeckung erhält der Betriebsratsobmann der Landekrankenanstaltengesellschaft Tilak von seinem Kollegen an der Medizinischen Universität. Betriebsratsvorsitzender Martin Tiefenthaler kritisiert, dass „zehn Jahre verschlafen wurden, bei den Gehältern der Spitalsärzte ist Österreich im Schlussdrittel“. Rund 3800 Euro brutto würden Fachärzte monatlich verdienen, Assistenzärzte lediglich 2800 Euro. „Und heuer sollen die Bundesärzte noch eine Nulllohnrunde akzeptieren. Das geht zu weit.“ Das akademische Personal wehrt sich gemeinsam, „es gibt bereits eine Petitionsplattform“, fügt Tiefenthaler hinzu. „Wir fordern eine Gehaltserhöhung um drei Prozent.“

Die Ärzte am Landeskrankenhaus Innsbruck sind mit ihrer Geduld am Ende, beispielsweise haben mehrere Ärzte die Urologie verlassen, auch die Radiologie leidet unter Ärzteschwund.

Deshalb warnt die Ärztekammer bereits vor einem Medizinermangel. „Der Betriebsrat der Tilak bestätigt unsere jahrelangen Warnungen vor einem Ärztemangel und seine Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung. Unattraktive Arbeitsbedingungen verursachen zusätzlichen Aderlass in Tirols Krankenhäusern“, erklärten am Mittwoch Ärztekammerpräsident Artur Wechselberger und der Obmann der Kurie der angestellten Ärzte, Ludwig Gruber.

National und international durchgeführte Gehaltsvergleiche würden laut Ärztekammer zeigen, dass in der Entlohnung der Tiroler Spitalsärzte im Vergleich mit dem benachbarten Ausland, aber auch zu österreichischen Bundesländern dringender Verbesserungsbedarf besteht. „Wenn die Gesundheitspolitik weiterhin die Zeichen der Zeit verkennt und keine Maßnahmen setzt, um den Arztberuf, sowohl im Spitalsbereich als auch in der Niederlassung, wieder attraktiver zu gestalten“, sieht Wechselberger die künftige flächendeckende ärztliche Versorgung ernsthaft gefährdet.

Für Wechselberger bringt die für 2013 verordnete Nulllohnrunde das Fass zum Überlaufen. „Es muss Voraussetzung eines zeitgemäßen Entlohnungsschemas sein, dass das Grundgehalt der langen akademischen Ausbildung und der hohen Verantwortung der Ärzte gerecht wird.“ (pn)

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