15.01.2013
Kulturpolitik

Finanzielle Disharmonie trübt Pläne

Vorerst dürfte Innsbruck auf seinem Grundsatzbeschluss zum Haus der Musik sitzen bleiben: Das Land will neu verhandeln.

Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Musiker, die während des Spiels aus dem Takt kommen, sind unüberhörbar. Nicht anders verhält es sich mit der Politik im Allgemeinen und zwischen Land und Stadt Innsbruck im Speziellen. Wie das Beispiel Haus der Musik jetzt wieder unter Beweis stellt.

Die Stadt jedenfalls wähnt sich im Stich gelassen – vom Land. Denn auf den Grundsatzbeschluss der Gemeinde, das auf Basis einer Expertengruppe erarbeitete Konzept eines Neubaus auf dem Areal der bisherigen Stadtsäle finanzieren und umsetzen zu wollen, folgt jetzt das Nein des Landes. Zumindest nicht im vorgelegten Umfang. Wie berichtet, sollen Symphonieorchester, Kammerspiele, Landeskonservatorium und auch ein Teil der städtischen Musikschule eine neue, den Anforderungen entsprechende Heimstätte bekommen. Für in Summe 36,443 Millionen Euro. 20,175 Mio. € von der Stadt und 16,268 Mio. € vom Land. So wurde es im Gemeinderat Mitte Dezember beschlossen.

„Das dem Beschluss zugrunde liegende Konzept entspricht weder inhaltlich noch die Finanzierung betreffend dem bereits vor über einem Jahr gefassten Regierungs- und Landtagsbeschluss“, schrieb Kultur-Landesrätin Beate Palfrader kürzlich BM Christine Oppitz-Plörer. Es könne nicht angehen, so Palfrader im TT-Gespräch, dass das Land „seine Hausaufgabe mache“, im Jahre 2011 14,5 Mio. € beschließe, dann „eineinhalb Jahre nichts passiert“ und man dann plötzlich – noch dazu zu viel zu spät – ein völlig neues Konzept samt höheren Kosten präsentiert bekomme. Palfrader spielt damit auf die Tatsache an, dass der Bund nicht bereit ist, in das Projekt einzusteigen. Das Land stehe zum Neubau, aber: Oppitz-Plörer müsse mit LH Platter als Finanzreferenten „neu verhandeln“. Finanziell und inhaltlich.

Oppitz-Plörer hält dagegen: das Land sei stets von den Planungsänderungen – auch als Mehrheitseigentümer der Tiroler Landestheater GmbH – informiert gewesen: „Jetzt auf die Bremse zu steigen, halte ich gegenüber den Mitarbeitern für nicht fair.“ Man sei in dem Gemeinschaftsprojekt stets „der Motor gewesen“ und habe dem Land ein „adäquates Projekt vorgelegt“.

Oppitz-Plörer erinnert Platter an die Landesgelder für das neue Winter-Festspielhaus in Erl: „Acht Millionen für vier Wochen.“ Das Haus der Musik sei hingegen die ganzjährige kulturelle „Basisversorgung“. Und das müsse dem Land etwas (mehr) wert sein.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Di, 15.01.2013
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