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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 15.01.2013

Tirol könnte 300 Millionen in sozialen Wohnbau pumpen

Land will mit Sanierungsoffensive 400 Mio. Euro Bauvolumen auslösen. Pupp fordert Aufstockung der Wohnbauförderung, Platter dämpft Erwartungen.

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Von Peter Nindler

Innsbruck – Bei der Wohnbauförderung ist Tirol vorbildlich. Jährliche Darlehensrückflüsse von 160 Mio. Euro – 3,2 Milliarden haften derzeit aus – garantieren kontinuierliche Förderungen des sozialen Wohnbaus. Rund 250 Millionen werden insgesamt investiert, zu den 160 Mio. Euro kommen noch Bundesmittel von 88 Mio. Euro hinzu. Es könnten aber bis zu 139 Mio. Euro sein. Doch seit Aufhebung der Zweckwidmung fließen rund 50 Mio. in andere Budgetbereiche.

Doch noch eine Belastung trägt die Wohnbauförderung mit: 1998 wurden für den Bau des Bahnhofs St. Anton und für die Zukunftsstiftung 71,2 Mio. Euro Wohnbauförderungsdarlehen des Landes verpfändet genommen, noch bis zum Jahr 2027 müssen jährlich 12,7 Mio. Euro zurückgezahlt werden. Insgesamt beträgt die Rückzahlung für das seinerzeitige Darlehen 184 Mio. Euro.

Angesichts dieser Fakten und der Notwendigkeit, Wohnen in Tirol billiger zu machen, pocht Wohnbaulandesrat Thomas Pupp auf mehr Mittel für den sozialen Wohnbau. „Es wäre deshalb nur recht und billig, wenn wir die gesamten Bundesmittel ausschöpfen könnten.“ Auf einen Schlag stünden der Wohnbauförderung dann 300 Mio. Euro jährlich zur Verfügung. 500 Wohnungen jährlich könnten zusätzlich errichtet werden. „Aber es geht nicht nur darum, sondern auch um Möglichkeiten, die Förderungen noch sozial verträglicher zu machen“, argumentiert Pupp. Ist die SPÖ nach der Wahl wieder in der Landesregierung vertreten, will Pupp über eine Aufstockung verhandeln.

VP-Chef LH Günther Platter gab sich gestern zurückhaltend: „Mit den vorhandenen Mitteln sind wir in der Lage, flexibel zu reagieren und starke Bauoffensiven zu starten.“ Noch nie sei so viel Geld für die Wohnbauförderung zur Verfügung gestanden, dämpfte der Finanzreferent die Erwartungen Pupps.

AK-Präsident Erwin Zangerl verlangt nicht nur die Zweckwidmung der Bundesmittel, sondern ein Maßnahmenbündel. „Das für den Wohnbau bereitstehende Geld sollte auch dorthin fließen. Gleichzeitig müssen die Grundstückspreise gesenkt werden.“

Für Bürgerforum-Chef LA Fritz Dinkhauser wisse jeder in Tirol, dass es beim leistbaren Wohnen um Grund und Boden, um Baukosten und um Fördergelder geht. „Die 50 Mio. Euro müssen für die Schaffung von leistbarem Wohnraum zur Verfügung stehen und nicht zum Stopfen irgendwelcher Finanzlöcher.“

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