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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 22.01.2013

Mittendrin im Sündenpfuhl

Gelungene Vernetzung: Theatergruppen aus ganz Tirol luden in der Burg Hasegg zur Kranewitter-Wanderung.

Hall – Zorn, Wollust, Trägheit, Geiz, Hochmut, Neid und Maßlosigkeit – so lauten „Die sieben Todsünden“, die schon mehrfach Eingang in die Kunstwelt gefunden haben. Auch beim Tiroler Dramatiker Franz Kranewitter, der zwischen 1905 und 1925 seinen gleichnamigen Dramenzyklus erstellte, mit dem 1981 im Hof der Burg Hasegg auch die Tiroler Volksschauspiele aus der Taufe gehoben wurden. Am vergangenen Wochenende kehrten „Der Seastaller“, „Die Eav“, „Der Med“, „Der Naz“, „Der Giggl“, „Der Gafleiner“, „Der Joch“ und der finale „Totentanz“ in die Burg Hasegg zurück – als mehrstündiges Mammutprojekt, das von der Initiative „Theaternetz Tirol“ ins Leben gerufen wurde.

Die Zuschauer durchwanderten dabei die einzelnen, auf 20 Minuten reduzierten Dramen, die von acht Regisseuren und 30 Schauspielern aus ganz Tirol in den unterschiedlichsten Burgwinkeln umgesetzt wurden – ein gewagtes Unterfangen, denn viel Zeit zum gemeinsamen Proben blieb den einzelnen Gruppen nicht. Das Ergebnis konnte sich trotzdem sehen lassen – weil es zeigte, wie viel Elan im Theaterland Tirol steckt und wie unterschiedlich die Herangehensweisen an einen vermeintlich verstaubten Stoff sein können.

Überzeugen konnte vor allem der finale „Totentanz“, der vom Theater in der Pölz in der Regie von Rosi Mayerhofer in Szene gesetzt wurde. Witzig, speedig und schlau wurde der Kranewitter‘sche Stoff da in die Gegenwart transportiert, Therese Dellemann und Jasmin Nothegger amüsierten als langhaarige Erzengel, während Eva Klingler und Caroline Hochfelner als sündige Totengräber mit allen Mitteln der Kunst ums Überleben kämpften. Natürlich vergebens.

Die Wochenendvorstellungen in Hall waren in Windeseile ausverkauft – und auch für die Folgetermine im März sollte man sich schleunigst um Karten bemühen. Am 15. und 16. März gastiert das Theaterprojekt im Veranstaltungszentrum Breitenwang – hier werden die Sünden allerdings auf zwei Abende aufgeteilt, auch Kombitickets sind erhältlich. Am 24. März zieht der Zyklus weiter ins Krams­acher Höfemuseum, wo an vier verschiedenen Höfen gespielt wird. Da dieser Termin bereits ausverkauft ist, wurde für den 23. März ein Ersatztermin eingeplant. Und geht alles nach Plan, dann kehrt das Kranewitter-Projekt im Herbst noch einmal in die Burg Hasegg zurück. Der Vernetzungsgedanke ist aufgegangen. (fach)