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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 22.01.2013

Auf Einspruch folgt Ausschreibung

In Innsbruck solle das Radverleihsystem „NextBike“ installiert werden, verkündete Landesrat Tilg im Herbst 2012. Die Deutsche Bahn legte dagegen beim UVS Einspruch ein. Jetzt wird die Vergabe ausgeschrieben.

Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Die Innsbrucker werden länger auf ein Radverleihsystem für das Stadtgebiet warten müssen. Aus der noch im Oktober 2012 von Landesrat Bernhard Tilg via Aussendung stolz angekündigten Einführung von „NextBike“ – einem Produkt einer gleichnamigen deutschen Firma – im heurigen Frühjahr wird nichts werden. Der Grund hierfür ist ein simpler: Die Vergabe der Leistung wird nun doch ausgeschrieben.

Denn nach der medialen Ankündigung des Landes über die Einführung und finanzielle Unterstützung von „NextBike“ mit 110.000 Euro wurden neben vielen tausend Innsbrucker Radfahrern auch andere hellhörig. Und zwar die nördlichen Nachbarn in Gestalt der Deutschen Bahn. Auch dieser Mobilitätsanbieter hat ein Radverleihsystem in seinem Portfolio, das so genannte „Call a bike“. Auf Nachfrage der TT wurde von Seiten der Deutschen Bahn bestätigt, dass „die DB Rent GmbH Einspruch zum Vergabeverfahren bezüglich einer Fahrradvermietung in Innsbruck eingelegt hat“. Und zwar beim Unabhängigen Verwaltungssenat (UVS).

Ein Einspruch, der sich inzwischen erledigt haben soll, wie sowohl von Seiten der Innsbrucker Verkehrsbetriebe (IVB) als auch des Mobilitätskoordinators im Land, Ekkehard Allinger-Csollich, versichert wird. Weil er von der Deutschen Bahn mittlerweile wieder zurückgezogen wurde. Jetzt, da Land und die IVB die Vergabe des Vorhabens, das in Kooperation zwischen IVB, Land, VVT und Stadt Innsbruck erfolgen solle, doch öffentlich auszuschreiben bereit sind. IVB-Chef Martin Baltes hält für alle Projektbeteiligten fest: „Nach einer nochmaligen Prüfung haben wir uns dazu entschieden, doch auszuschreiben.“

„Das war ein Schuss ins Leere“, bezeichnet Allinger-Csollich die Intervention der Deutschen Bahn. Es sei immer klar gewesen, dass eine Ausschreibung erfolge. Und schließlich habe es auch zu keinem Zeitpunkt weder eine Entscheidung für ein bestimmtes System noch einen Auftrag gegeben. Dem Einspruch habe folgerichtig eine rechtliche Grundlage gefehlt. Des Weiteren sei noch im November der Planungsstand des Projektes nur sehr rudimentär gewesen. Was insofern verwundert, als Tilg bereits konkret das System „NextBike“ für die Stadt Innsbruck in vielen Details ankündigte. Und zwar in einer ersten Ausbaustufe mit 25 Standorten in den Stadtteilen Wilten, Pradl, Saggen, Hötting und Innenstadt sowie der Technischen Fakultät und dem dez. Die IVB, so Tilg damals weiter, würden „als Projektträger für das Radverleihsystem fungieren“.

Dass das System der Firma „NextBike“ – welches bereits in anderen österreichischen Bundesländern eingeführt wurde – im Vorfeld ein ausdrücklicher Wunsch des Landes gewesen sei, sagt hingegen Verkehrsstadträtin Sonja Pitscheider. Damit solle die Kompatibilität gewährleistet werden, wenn das System auf andere Tiroler Gemeinden ausgeweitet würde. Und das sei klares Ziel des Landes, sollte der Innsbrucker Testlauf funktionieren.

Ursprünglich habe man nur die Software von „NextBike“ übernehmen wollen, heißt es aus dem Land. Das wäre rechtlich mit einer Direktvergabe möglich gewesen, so Allinger-Csollich: „Die IVB wollten aber ein Gesamtpaket.“

Dass der Frühjahrs-Termin der Einführung nicht mehr zu halten ist, steht nunmehr zu befürchten. Pitscheider hält einen Start erst im Herbst für möglich: „Die Verzögerung schmerzt, aber es ist eben ein Fehler passiert.“

Landesrat Tilg hielt gestern auf Anfrage der TT fest, dass das Vorhaben „kein Projekt des Landes“ sei. Man trete lediglich als Fördergeber auf. Es sei auch falsch, dass sich das Land „NextBike“ gewünscht habe. In den Vorplanungsarbeiten sei jedoch zur Veranschaulichung ein bestehendes System – eben „NextBike“ – ausgesucht worden, um die Funktionalität eines Fahrradsystems zu veranschaulichen. Jenes von „NextBike“ schien aufgrund seines Einsatzes in Österreich hierfür geeignet. Auch das der Deutschen Bahn habe man sich „angeschaut“. Tilg bleibt trotz ausstehender Ausschreibung optimistisch, dass ein Innsbrucker Radverleihsystem pünktlich starten könne: „Eine Inbetriebnahme im Frühjahr bzw. Sommer ist noch immer realistisch.“

Wie zu hören ist, soll der Vollausbau in der Stadt rund 740.000 Euro kosten, die erste Tranche soll 300 Räder umfassen. Die Stadt soll für die ersten drei Probejahre je 70.000 Euro zahlen. Mehr als die Hälfte der Gesamtkosten soll durch Förderungen finanziert werden.