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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 22.01.2013

TVB-Ortsausschüsse aufgelöst

Der Tourismusverband Naturparkregion Reutte will die Kurtaxe in einer außerordentlichen Jahreshauptversammlung Anfang Februar verdoppeln.

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Von Helmut Mittermayr

Reutte – Die ordentliche Jahreshauptversammlung samt Neuwahlen des Tourismusverbandes Naturparkregion Reutte war erst wenige Tage vor Weihnachten in großer Harmonie über die Bühne gegangen. Große Themen schienen nicht in Sicht. Mit der ersten Sitzung des TVB-Aufsichtsrates im neuen Jahr sollte sich das schnell ändern. Alle verbliebenen Ortsausschüsse werden aufgelöst. Den Betroffenen wurde die Entscheidung schon mitgeteilt. Auch die Kurtaxe dürfte kräftig in die Höhe schnellen.

Die Vorgeschichte: Vor zwölf Jahren fusionierten die Tourismusverbände links und rechts des Lechs zu einem großen Verband. Um sich einen Rest von Selbstständigkeit zu erhalten, schließlich firmierten alle plötzlich unter dem Namen „Reutte“, hatten sich die Touristiker westlich des Lechs ausbedungen, eigene Ortsausschüsse weiterführen zu können. Auch ein eigenes Budget – rund 15 Prozent des Ortsaufkommens – durfte bewegt werden. Allerdings nicht völlig freihändig, sondern nur mit der Zustimmung des TVB-Vorstandes zum jeweiligen Projekt.

Die Ortsausschüsse von Lechaschau, Wängle, Höfen, Weißenbach und Vils werden nun aufgelöst. Per E-Mail wurden die jeweiligen Ortsvorstände vor Kurzem darüber informiert. Dazu TVB-Obmann Hermann Ruepp: „Ortsausschüsse können in Tirol ab einer Nächtigungszahl von über drei Millionen eingeführt werden. Diese Zahl erreichen wir mit knapp 400.000 bei Weitem nicht. Zwölf Jahre nach der Zusammenführung haben wir jetzt nur einen Zustand herbeigeführt, der für die ‚alten‘ Orte sowieso immer gegolten hat. Dort gibt es nirgends Ortsausschüsse.“ Der verwaltungstechnische Aufwand für die Ortsausschüsse sei durch die Geschäftsaufteilung nicht gering gewesen. Eigene Konten mussten etwa geführt werden. Ruepp versucht allfälliger Kritik gleich den Wind aus den Segeln zu nehmen: „In den anderen Orten funktioniert es ja auch. Es gibt im TVB einen Geschäftsführer, einen Obmann, zwei Stellvertreter. Wer ein Anliegen, eine Anregung oder ein Problem hat, soll sich einfach direkt bei uns melden.“

Geschäftsführer Franz Kammerlander ergänzt: „Die Ortsausschüsse wurden vor zwölf Jahren freiwillig eingeführt, um zu Beginn der Fusion allfällige Ängste zu nehmen. Die Zusammenarbeit klappt aber bestens, Benachteiligungen von Orten oder Regionen hat es nicht gegeben. Diese Ausschüsse machen jetzt einfach keinen Sinn mehr.“

Die TVB-Büros in den Orten sind von dieser Maßnahme nicht betroffen – mit einer Ausnahme. Das Büro im Gemeindeamt Lechaschau wird zugesperrt. „Schon bisher hatte es nur zweimal in der Woche einen halben Tag offen. Dafür schickten wir immer einen Mitarbeiter von Reutte hinüber. Aber die Entfernung zum zentralen TVB-Büro Reutte ist wirklich zumutbar. Wer aus der Archbachsiedlung kommt, braucht gleich lang“, sagt Ruepp. Wängle, Höfen und Weißenbach haben derzeit immer halbtags geöffnet, Vils zwei Stunden am Tag.

Am 5. Februar werden die Tourismusverbands-Mitglieder zu einer außerordentlichen Versammlung zusammengerufen. Ziel der Zusammenkunft: die Kurtaxe soll kräftig erhöht werden. Hermann Ruepp will gegenüber der TT keine konkrete Zahl bestätigen, ein Hinaufgehen von einem auf zwei Euro wird aber erwartet. Ruepp: „Im Tannheimer Tal und Zwischentoren liegen die Sätze bei 1,60 Euro. In Ischgl­ sogar bei vier. Aber auch im Lechtal sind 1,30 plus 1,25 Euro, also eigentlich 2,55 Euro zu bezahlen.“ Der TVB-Chef will mit den zusätzlichen Einnahmen Großes verwirklichen – nämlich Gratiseintritte zu den drei „B‘s“ Burg, Bahn und Bad. Gemeldete Gäste würden künftig mehrmals gratis in die Alpentherme Ehrenberg sowie auf den Hahnenkamm und ins Burgenmuseum kommen. Das sei ein wirklich ungewöhnliches wie außergewöhnliches Service, das die Region dann ihren Gästen zu bieten hätte. „Wir haben das alles äußerst sachlich mit dem Aufsichtsrat diskutiert und Übereinstimmung gefunden“, erläutert der Reuttener Hotelier Hermann Ruepp.

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