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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 23.01.2013

Countdown für Tiroler Marslandung hat begonnen

Am Samstag machen sich Forscher zu einer besonderen Mission unter Tiroler Führung auf: einer Mars-Simulation in der Wüste Marokkos.

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Von Christoph Mair

Innsbruck – Wie ein Fernreisender in den letzten hektischen Vorbereitungen fühlt sich derzeit Gernot Grömer. Nur, dass alles ein paar Hausnummern größer ist. Als Leiter der heuer weltweit größten Simulation einer Marslandung unter österreichischer Flagge verschlägt es den Innsbrucker Astrophysiker demnächst in die Wüste nach Marokko. Samt großem internationalen Team. Die nördliche Sahara bei Erfoud wird im Februar für drei Wochen zum extraterrestrischen Gebiet, zur unwirtlichen Marsoberfläche.

Der Startschuss für die Mission fällt bereits diesen Samstag, wenn sich ein erstes Team von insgesamt 40 Crewmitgliedern zur Vorbereitung des Experiments in die Wüste aufmacht. Insgesamt seien über 100 Mitarbeiter aus 23 Nationen unter der Leitung des Österreichischen Weltraumforums (ÖWF) und der Universität Innsbruck dabei, erzählt Grömer. Allein die technische Ausstattung wiege mehr als zwei Tonnen. „Wir werden mit zwei Raumanzügen, vier Roboterfahrzeugen und jeder Menge wissenschaftlicher Instrumente genau jene Arbeiten simulieren, wie man sie in 20 bis 30 Jahren auch auf dem Mars machen würde“, sagt Grömer,

Dazu zählen das Sammeln von Gesteinsproben, der Aufbau einer Basis-Infrastruktur und die spannende Suche, ob es früher Leben auf dem Mars gab. Eineinhalb Jahre hätten die Vorbereitungen für die Operation „Mars2013“ gedauert. Mehrere Testläufe in Spanien oder einer Kältekammer in Seefeld waren notwendig. Schließlich sind die Astronauten auch auf ihrem Test-Mars von der Erde abgeschnitten. Nur durch eine Satellitenleitung seien sie mit dem Kontrollzentrum in Innsbruck verbunden, erklärt Grömer. Als Projektleiter ist er gespannt, ob alle Rechnungen wie kalkuliert aufgehen. Bereits im Mai dieses Jahres soll eine erste wissenschaftliche Konferenz zu „Mars 2013“ in Wien stattfinden.

Und wenn in geschätzten 20 bis 30 Jahren tatsächlich der erste Mensch auf dem Mars steht, würde ein kleines Stück des Weges dorthin auch eine Tiroler Handschrift tragen, freut sich Gernot Grömer.

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