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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 24.01.2013

Abschussquote: Tiefpunkt 36 Prozent

Durchwachsen ist die Bilanz, was das Jagdjahr 2012 im Außerfern betrifft. Vorzeigereviere grenzen an „Verweigerer“. Außerhalb der Tbc-Problemzone Lechtal ist BH Geisler mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

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Von Helmut Mittermayr

Reutte – Bald selbst unter Beschuss dürften ein paar Außerferner Jäger und Jagdpächter in den kommenden Wochen geraten. Zumindest, was die geharnischte Antwort der Bezirkshauptmannschaft Reutte auf das Nicht-Erfüllen der Jagdvorgaben betrifft. Gerade in der Tbc-Überwachungszone im oberen Lechtal, in der schwerste Bejagung vorgeschrieben worden war, gibt es große Ausreißer. In der 5000 Hektar großen Bekämpfungszone rund um Steeg sind die Zahlen laut BH Konrad Geisler hingegen zufriedenstellend. Der Wildbestand sei hier drastisch reduziert worden. Unter anderem auch durch die Abschüsse in einem speziellen Wildgatter (die TT berichtete).

Geisler zieht insgesamt eine positive, teils durchwachsene Bilanz. „In den meisten Revieren wurde gut gearbeitet. Manche erreichten sogar mehr als 100 Prozent der behördlich vorgeschriebenen Abschussquote. Andere nicht einmal 36 Prozent. Hier werden wir definitiv etwas unternehmen müssen“, benennt der Bezirkshauptmann die weitere Schritte nur vage. Neben Strafverfahren sind vor allem noch höhere Abschussvorschreibungen zu erwarten, um das Manko des Vorjahres auszubessern. „Hier liegt natürlich ein großes Konfliktpotenzial“, erklärt der Verwaltungsjurist. Und weiter: „Jäger ist kein einfacher Beruf. Das ist mir klar. Aber einige machen es sich zu leicht.“

Den obersten Außerferner Beamten ärgert vor allem, dass sich die letztjährigen Problemjagden allesamt innerhalb der 65.000 Hektar großen Tbc-Überwachungszone befinden. Dort wurde eine Abschussquote von 1300 Stück vorgeschrieben und 1100 (84 Prozent) erreicht. Geisler: „Das sieht auf den ersten Blick gut aus, wenn nur 200 Exemplare auf die Vorgabe fehlen. Wenn man aber weiß, dass vor allem Hirsche geschossen wurden und von den 200 Nichterlegten mehr als 50 Prozent Kahlwild (weiblich, Anmerk. d. Red.) sind, dann ist das nicht hinnehmbar. Das Abschießen der männlichen Hirsche bringt nichts, wenn die Nachwuchsträger im Wald verbleiben und mitten im Tbc-Problemgebiet neue Generationen zur Welt bringen.“

Außerhalb der Überwachungszone hätte die Jägerschaft 2012 Großartiges geleistet. 87 Prozent wurden erreicht. Für Geisler eine sehr zufriedenstellende Erfüllung, die sich in den Tiroler Schnitt einreiht. Hier habe es nirgends grobe Probleme gegeben, „außer örtlich erhöhten Verbiss. Aber das ist jagdlicher Alltag, nicht mehr.“

Das Außerfern ist – jagdlich gesehen – quasi zweigeteilt: in einen „normalen“ Bereich und die Überwachungs- sowie Bekämpfungszone im Lechtal, an der auch der Bezirk Landeck 5000 Hektar Anteil hat. „Der eingeschlagene Weg ist richtig. Die Proben, die in den letzten Monaten bei allen geschossenen Tieren genommen wurden, belegen, dass es nun deutlich weniger Tbc-Verdachtsfälle gibt. Das heißt, wir werden diesen Weg konsequent weitergehen“, lässt der Bezirkshauptmann keinen Spielraum für Interpretationen offen. „Mit den Verantwortlichen in den Problemjagden wird das Gespräch gesucht. Wenn es kein Einsehen gibt, werden wir ihnen ein wenig Dampf machen müssen.“ Die Bilanz sei trotzdem erfreulich, will sich Geisler das Gesamtbild nicht trüben lassen.

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