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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 24.01.2013

Einkaufszentrum schlägt Wellen

Dass die PEMA ihm ein Einkaufszentrum direkt vor die Nase setzen will, stört Sillpark-Geschäftsführer Hochfilzer nicht – jedoch sei der Plafond damit in Innsbruck erreicht. Land will Widmung genau prüfen.

Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Der neue Turm, den PEMA-Chef Markus Schafferer da in die Amraser Straße 2 bis 4 bauen will, weiß zu beeindrucken. Wie berichtet, soll der Baustart des rund 45 Millionen Euro Projektes bereits im vierten Quartal des heurigen Jahres erfolgen.

Während der rund 42 Meter hohe Turm mit einem Mix aus Büros und Wohnungen zum Leben gebracht werden soll, wird der dreigeschoßige Sockel laut den PEMA-Plänen zu einer Shopping-Mall ausgebaut. Ansiedeln sollen sich dort Geschäfte mit höherwertigem Segment. Wer genau, darin lässt sich Schafferer noch nicht in die Karten blicken. Ist doch die Konkurrenz in Innsbruck groß und ebenso hellhörig. Branchenmäßig liege ein Schwerpunkt aber sicher im Textilbereich, sagt Schafferer auf TT-Nachfrage. Und auch ein großer Elektrokonzern „würde Sinn machen“. Sportliche Anbieter seien ebenso eine Option. Man wolle „einen guten Mix schaffen, damit die Mall auch funktionieren kann“. In Summe sollen aber die Kunden in seiner neuen Shopping-Mall „etwas vorfinden, das es in Innsbruck noch nicht gibt“, sagt Schafferer. Und damit eben nicht dem nur wenige Meter entfernten Platzhirschen, dem Sillpark, unnötige Konkurrenz machen.

Noch wird zwar an den Plänen gefeilt, jedoch soll die Shoppingwelt der PEMA zwischen 8000 und 9000 m² reiner Verkaufsfläche umfassen. Im Vergleich dazu verfügt Sillpark-Geschäftsführer Helmut Hochfilzer über rund 21.500 m². Aber das ist nicht der Grund, wieso er dem PEMA- Projekt gelassen entgegensieht. Vielmehr gebe es zwischen ihm und Schafferer ein offenes Gesprächsklima. Mit dem von Schafferer angekündigten Sortiment ortet Hochfilzer weniger Konkurrenz denn vielmehr „eine Symbiose für den gesamten Bereich“. Immerhin sei „ein gemeinsamer Weg leichter zu gehen als gegeneinander“. Bis hin zum gemeinsamen Marketing? Ausschließen will das Hochfilzer nicht, wenngleich es noch Zukunftsmusik sei.

Und dennoch: Was die Dichte an Handelsflächen in Innsbruck betreffe, sei damit wohl endgültig „der Plafond erreicht“, erhebt Hochfilzer mahnend den Zeigefinger in Richtung Politik.

Aus dem Büro des ressortzuständigen Landesrates Johannes Tratter hieß es gestern, sollte es von Seiten der Stadt eine dementsprechende Widmung auf dem betreffenden Areal geben, so werde man sie sich sicher „genau anschauen“. So, wie man es im Übrigen bei allen neuen Einkaufszentren tue. Für oder Wider sei hier auch eine Frage des Branchenmix, der sich mit dem jeweiligen Standort vertragen müsse, heißt es aus dem Landhaus.

Nicht alle Einkaufszentren wollten sich gestern zur neuen Konkurrenz in der Innenstadt – auch aufgrund des für sie noch rudimentären Informationsstandes – äußern. Dass die allgemeine Lage angespannt sei, deutet Peter Retter, Centermanager der Rathausgalerien (über 9000 m² Verkaufsfläche) aber an: „Es gibt wesentlich mehr Einkaufszentren, die nicht funktionieren, als solche, die funktionieren.“ Innsbruck sei laut Retter sicher „nicht unterausgestattet“. Er zweifelt, ob der Standort des Neo-EKZ gut gewählt ist.

Tirol liegt schon jetzt laut RegioPlan-Geschäftsführer Wolfgang Richter im österreichweiten Vergleich im Spitzenfeld, was das Verhältnis Shoppingfläche zu Bevölkerung betreffe: „Bei neuen Flächen kommt es daher oft zu einem reinen Verdrängungswettbewerb.“