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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 31.01.2013

Die fabelhafte Welt der Tiffany Blechschmid

Regisseurin Sherry Horman inszeniert „Anleitung zum Unglücklichsein“ als leichte Verwechslungs- und Geisterkomödie.

Innsbruck – In den 80er Jahren schüttelte der Psychotherapeut Paul Watzlawick (1921–2007) „Gebrauchsanweisungen” und Bestseller aus dem Ärmel, um vor Ratgebern zu warnen. Watzlawick war nicht gerade ein Anhänger des Sozialstaates, der seine Bürger zur „gesellschaftlichen Inkompetenz” erzieht, um „das Leben des Staatsbürgers von der Wiege bis zur Bahre sicher und glücktriefend” zu gestalten. Regisseurin Sherry Hormann wollte für ihre Verfilmung von Watzlawicks Ratgeber ohnehin nur den Titel und als Running Gag die Geschichte mit dem Hammer. Dieses Fallbeispiel erzählt von einem Mann, der ein Bild aufhängen möchte jedoch über keinen Hammer verfügt und sich an die Idee klammert, auch der Nachbar würde ihm das Werkzeug verweigern. Daher teilt er seinem Nachbarn mit, dass er auf den Hammer verzichten könne.

Der Mann ohne Hammer ist bei Sherry Hormann die Szenewirtin Tiffany Blechschmid (Johanna Wokalek), die Medizinstudium und Klavierspiel aufgegeben hat. Alle ihre Entscheidungen zielen darauf ab, sich an ihrem Vater zu rächen, denn der Arzt hat ihre Mutter (Iris Berben) wegen einer Jüngeren verlassen. Die Mutter ist inzwischen gestorben, aber verhindert weiterhin durch ständiges Erscheinen die Entwicklung der Tochter. Auf körperliche Nähe mit einem Mann reagiert Tiffanys Haut mit einer allergischen Reaktion und sollte das als Abschreckung nicht ausreichen, drängt sich die mächtige Mutter frivol zwischen die Begehrenden, wie es schon bei Freud geschrieben steht. Tatsächlich haben sich die Dinge – in der Kindheit beginnend – ganz anders ereignet.

Sherry Hormann hat die leichte Verwechslungs- und Geisterkomödie über die Labyrinthe im falschen Leben nach ihrer „Wüstenblume” wahrscheinlich als Lockerungsübung betrachtet, denn in einigen Wochen kommt bereits ihr Entführungsdrama über Natascha Kampusch ins Kino. (p. a.)