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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 31.01.2013

Ein Theater wird erwachsen

Seit zwei Jahrzehnten holt Volkmar Seeböck Kinder und Jugendliche auf die Bühne.

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Innsbruck – Den Traum vom eigenen Theater hatte Volkmar Seeböck schon früh: 1958 gründete und leitete er im Ziller­tal eine Theatergruppe für Jugendliche. Damals war Seeböck 16 Jahre alt. Kurz darauf heuerte er am Tiroler Landestheater, war – wie er selbst sagt – „Mädchen für alles“, spielte, inszenierte und „g‘schafftelte hinter den Kulissen herum“. 30 Jahre lang war er Mitglied des Ensembles – und musste sich oft ärgern.

„Immer wieder musste ich mitansehen, wie Rollen, die für Jugendliche geschrieben wurden, von über 40-Jährigen gespielt wurden, nur weil man es den Jungen nicht zugetraut hat“, sagt er im Gespräch mit der TT. Deshalb machte sich Seeböck schon in den 1980er-Jahren für eine Jugendschiene am Landestheater stark. „Ich wollte nicht nur kinder- und jugendgerechte Stoffe, sondern auch junge Menschen auf die Bühne holen.“ Der damalige Intendant Helmut Wlasak habe ihn einfach machen lassen, erklärt Seeböck. Doch unter Wlasaks Nachfolger Dominique Menta hatte Seeböck keinen leichten Stand. „Er wollte mich nicht mehr inszenieren lassen“, sagt der 70-Jährige. Nach einem Jahr Diskussionen habe er dann das Handtuch geworfen, das Haus am Rennweg verlassen und wenige Monate später „ohne Subventionen, aber mit viel Idealismus“ das Landesjugendtheater gegründet. Das ist inzwischen 20 Jahre her.

Zunächst diente die Hall­e 1 der Innsbrucker Messe als Spielstätte. 2009 fand das Landesjugendtheater in einer leerstehenden Halle im Gewerbegebiet Mühlau/Arzl zwischen Großhandel und Zigarettenlager eine neue Heimat. Das mag wenig kindgerecht klingen, für Seeböck und seine Mitarbeiter, die Produktionsleiterin Edith Draschl und die Dramaturgin Heidemarie Strasser zum Beispiel, die ihrem „Volki“ von Anfang an zur Seite standen, war der von Innsbrucks damaliger Bürgermeisterin Hilde Zach eingefädelte Deal „ein Geschenk des Himmels“. Durch den Umzug sei man endlich ein richtiges Theater geworden, sagt Seeböck. „Wir können ein Ganzjahresprogramm mit zwei großen Produktionen und verschiedenen Gastspielen anbieten und unter professionellen Bedingungen arbeiten.“

Doch auch wenn sich die Arbeitsbedingungen professionalisiert haben und Stadt und Land das Theater mittlerweile finanziell unterstützen, sei man täglich mit neuen Herausforderungen konfrontiert, erklärt Seeböck. „Es wird immer schwieriger, Kinder und Jugendliche zu finden, die Theater spielen wollen. Vor allem die Buben sind schwer zu motivieren“, sagt er. „Heute gibt es Fernsehshows, die vorgaukeln, man könne einfach zu Star werden. Das ist verantwortungslos. Wer auf die Bühne will, muss viel investieren. Ohne Fleiß geht gar nichts.“

Heute Samstag wird der 20. Geburtstag des Tiroler Landesjugendtheaters mit einer Gala groß gefeiert. Schon tags darauf werde aber weiter gearbeitet: Die neue Produktion Andrew Lloyd Webbers Musical „Joseph“ feiert am 22. Februar Premiere. (jole)

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