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70 Jahre nach Schlacht

Pomp und stilles Gedenken zur Erinnerung an Stalingrad-Schlacht

Mit Pomp und Pathos erinnert Russland an den Triumph der Roten Armee über die deutschen Angreifer in der Schlacht von Stalingrad vor 70 Jahren. Doch auch stilles Gedenken findet viel Platz.

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Wolgograd - Ein Meer roter Nelken im Schnee: 70 Jahre nach der Schlacht von Stalingrad hat das heutige Wolgograd an die brutalen Kämpfe mit mehr als 700.000 Toten erinnert. Veteranen legten am Samstag an der Gedenkstätte auf dem Mamajew-Hügel Blumen und Kränze an der Ewigen Flamme nieder. Kremlchef Wladimir Putin traf am Nachmittag in der Millionenstadt ein, um an dem Jahrestag teilzunehmen.

Vor etwa 20.000 Zuschauern, darunter rund 200 Kriegsteilnehmern, marschierten im Stadtzentrum bei frostigem Wetter 650 Soldaten in historischen Uniformen zu einer Militärparade auf. Zum Jahrestag nannte sich Wolgograd für einen Tag offiziell wieder Stalingrad nach Sowjetdiktator Stalin - trotz massiven Proteste von Menschenrechtlern.

Als Symbol deutsch-russischer Freundschaft reisten auch Nachkommen deutscher Stalingrad-Kämpfer in die Wolgastadt und zeigten sich tief bewegt. „Als ich im Museum das Panorama dieser grausamen Schlacht sah, musste ich weinen“, sagte Rolf Weber aus Frankfurt am Main der Nachrichtenagentur dpa. An der Ewigen Flamme im Stadtzentrum zollten Delegationen aus Dutzenden Ländern den Toten Respekt. Für Deutschland nahm Botschafter Ulrich Brandenburg an der Zeremonie teil.

Im Konzerthaus kamen das Osnabrücker Symphonieorchester und das Philharmonische Orchester Wolgograd zu einer letzten Probe zusammen. Sie spielen an diesem Sonntag zum Abschluss des Gedenkens gemeinsam unter anderem die 9. Symphonie von Ludwig van Beethoven und setzen damit ein Zeichen der Freundschaft. Wolgograd rund 1000 Kilometer südlich von Moskau betont seit Jahren, dass deutsche Gäste im Geiste der Versöhnung willkommen sind.

Die Reste der deutschen 6. Armee hatten am 2. Februar 1943 in Stalingrad vor den sowjetischen Truppen kapituliert. Der Sieg der Roten Armee gilt als ein Wendepunkt im Zweiten Weltkrieg. Die monatelange Schlacht und Temperaturen bis zu minus 43 Grad kosteten mindestens 150.000 Deutschen, Zehntausenden Verbündeten und 500.000 Russen das Leben.

Mit martialischem Pathos wandte sich Vizeregierungschef Dmitri Rogosin bei der Militärschau an die Einwohner der Stadt. „Unsere Großväter und Väter haben hier um jedes Gebäude und um jede Straße gekämpft“, rief Rogosin. Die russischen Waffenfabriken würden wiederaufleben. „Jeder Feind und potenzielle Angreifer sollte dies sehen, verstehen und fühlen“, sagte der frühere Nato-Botschafter. An der Parade nahm auch ein legendärer Weltkriegs-Panzer des sowjetischen Typs T-34 teil.

Busse mit dem Konterfei Stalins brachten zahlreiche Veteranen in ordenbehangenen Uniformen an die Wolga. Menschenrechtler und Historiker kritisieren in Russland eine zunehmende Verharmlosung der Zeit schwerer Repression unter Josef Stalin (1879-1953).

Vielerorts hingen riesige Transparente mit Parolen wie „Von Stalingrad aus zum Endsieg“. Jugendliche mit rot-weißen Pelzmützen und der Aufschrift „70“ standen als Helfer bereit. Spezialeinheiten in Tarnuniform sowie Dutzende Metallrahmen sicherten alle Gedenkstätten. Auch andere russische Städte erinnerten an den historischen Tag. Das Staatsfernsehen zeigte zu Militärmusik Bilder der grausamen Kämpfe. (dpa)

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