Die Wandlung der USA zur Diktatur
Von Christian J. Winder
Washington – Am Abend des Wahltages ist für Bruce Jansen die Welt noch in Ordnung: Mit überwältigender Mehrheit wurde er ins Weiße Haus gewählt, an der Seite seiner hochschwangeren Frau ist er unterwegs zur Feier. Es fällt ein Schuss. Der tötet die künftige First Lady und trifft die Seele des nächsten Präsidenten. Der Schock verändert den Mann, und wenn sich der Mann an der Spitze der größten Militär- und Wirtschaftsmacht dieser Welt verändert, erzeugt dies Wirkungen. Jansen umgibt sich mit einem willfährigen Kabinett, reduziert den Einfluss des Kongresses gegen null und krempelt die USA mit Notverordnungen und eiserner Militärhand um. Innerhalb weniger Wochen wandelt sich das demokratische System in eine knallharte Diktatur. Die Bevölkerung wird entwaffnet, die Medien werden zensuriert, eine Politik von „law and order“ steht auf der Tagesordnung – für eine Phase des Übergangs, wie der Präsident ankündigt. Langsam formiert sich Widerstand, auch im Weißen Haus.
Jussi Adler Olsen verlässt mit dem „Washington-Dekret“ den Boden Dänemarks und das kleine (erfolgreiche) Hinterzimmer des Dezernat Q – er lässt seinen neuen Roman auf einer ganz großen Bühne spielen. Und er zeigt, dass ihm auch diese große Bühne passt: Adler Olsen ist ein Thriller gelungen, der den US-Megasellern Clancy oder Baldacci in nichts nachsteht. Er hat zugleich gezeigt, wie wenig es braucht, um unsere Demokratie in ihr Gegenteil kippen zu lassen, wie wichtig es ist, immer wachsam zu sein und jedes Fitzel an Bürgerrecht zu verteidigen. Ein „Muss-gelesen-Werden“!
aktualisiert: Do, 14.02.2013 10:00



