10.02.2013
International

Deutschland buhlt um Talente

Im Rennen um die besten Fachkräfte macht Deutschland mit einer zugkräftigen Kampagne mobil und stößt in Österreich auf offene Türen.
Infobox

Länder-Ranking

Die Österreicher empfehlen jungen Menschen mit guter Fachausbildung folgende Länder für die Karriere im Ausland: Schweiz 39 % Deutschland 34 % Schweden 20 % Großbritannien 13 % Luxemburg 11 % Finnland 10 % Frankreich, Dänemark 9 % Holland 8 % Belgien 6 % Spanien, Irland, Italien 3 % Kroatien, Portugal 2 % Ungarn, Tschechien, Polen, Slowakei, Slowenien 1 % Griechenland, Bulgarien 0 % Quelle: IMAS Institut

Von Barbara Egger

Innsbruck – Der Fachkräftemangel ist ein viel diskutiertes Thema. Mit Betonung auf diskutiert. Denn während in den EU-Staaten zum Teil noch erörtert wird, wie diesem Mangel am besten zu begegnen sei, hat Deutschland mit einer zugkräftigen Werbekampagne zum Thema Fachkräfte-Offensive reagiert. Der Grund für die rasche Reaktion: In Deutschland sind die Sozialpartner der Auffassung, dass der Mangel an qualifizierten Fachkräften für Unternehmen risikoreicher sein könnte als die Finanzkrise der EU.

Wie ernst es der Wirtschaftsmacht Deutschland ist, national wie international um die besten Köpfe zu buhlen, zeigen zwei umfassend und informativ aufbereitete Online-Portale. Auf www.fachkraefte-offensive.de und www.make-it-in-germany.com werden wechselwillige Fachkräfte werbewirksam und mehrsprachig mit relevanten Informationen versorgt. Die Internetplattformen bündeln alle nützlichen Themen zu Karriere und Leben in Deutschland: Von der Jobsuche bis zum Visa, vom Umzug über das Einleben, von der gezielten Suche nach gefragten Berufen, den Pers­pektiven in Deutschland, einem Deutschland-Porträt, Jobbörse, Fachkräfteradar, Engpassberufe-Börse, Anerkennung von Ausbildungen, u. v. m. Die professionell gestalteten „Willkommensportale“ sind Teil eines Gemeinschaftsprojektes des Deutschen Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie, des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales und der Bundesagentur für Arbeit.

Die deutsche Informations- und Mobilisierungskampagne stößt international auf offene Türen und könnte besonders in Österreich Erfolg haben. Denn lockt eine berufliche Karriere im Ausland, stehen die Schweiz und Deutschland auf der Wunschliste der österreichischen Fachkräfte ganz oben.

Das bestätigt auch eine aktuelle Studie des österreichischen IMAS-Institutes. Auf die Frage, welches Land einer jungen österreichischen Fachkraft für eine berufliche Karriere im Ausland zu empfehlen wäre, nannten 39 % die Schweiz und 34 % Deutschland. Mit Abstand folgen Schweden (20 %), Großbritannien (13 %), Luxemburg (11 %) und Finnland (10 %).

Weniger beliebte Arbeitgeberländer sind Frankreich, Dänemark, Holland und Belgien. Sie alle erhielten Werte unterhalb der Zehn-Prozent-Marke. Am wenigsten Empfehlungen gab es für Spanien (3 %), Irland, Italien, Kroatien und Portugal sowie Tschechien, Polen, die Slowakei und Slowenien. Gar keine Empfehlungen erhielten Griechenland und Bulgarien.

Dass berufliche Abwanderer den deutschsprachigen Nachbarn den Vorzug geben könnten, birgt für Österreich durchaus Sprengstoff. Schließlich benötigt man die Fachkräfte auch im eigenen Land. Unter dem Aspekt eines beginnenden Wettstreits um Fachkräfte zwischen Rot-Weiß-Rot und Deutschland erforschte IMAS, wie die Österreicher die Arbeitswelt des eigenen Landes im Vergleich zu Deutschland einschätzen.

Ein Drittel der Befragten (37 %) sind der Meinung, dass man in Deutschland mehr Geld verdienen kann. Geht es um Sozialleistungen, hat aber Österreich die Nase vorn. Jeder zweite Befragte ist der Ansicht, dass die österreichischen Arbeitnehmer höhere Sozialleistungen und mehr Rechte genießen als ihre deutschen Kollegen. Nur acht Prozent der Befragten sehen hier Deutschland im Vorteil. Beim Leistungsdruck liegen die beiden Arbeitswelten gleichauf. 44 % der Befragten sehen hier kaum einen Unterschied.

Laut IMAS glauben aber 24 % der Befragten, im Vergleich zu Deutschland mit 15 %, dass die Leistungsanforderung in Österreich höher ist. Es liegt also an den reisewilligen Fachkräften zu entscheiden, was ihnen für ihre Karriere wichtiger ist: mehr Geld und mehr beruflicher Stress beim Nachbarn oder mehr Rechte und soziale Absicherung im eigenen Land.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom So, 10.02.2013
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