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347 Beschwerden wegen sexistischer Werbung

Der Werberat zieht Bilanz: 347 Beschwerden, in 173 Fällen gab es eine Entscheidung, 13 der Kampagnen wurden mit einem „Stopp“ belegt. Der Hauptbeschwerdegrund war „Geschlechterdiskriminierende Werbung“ vor „Ethik und Moral“.

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Wien - Ein Plakat, das mit einem barbusigen Frauentorso und dem Slogan „Viel Holz vor der Hüttn“ für ein Holzunternehmen wirbt, wollen die Menschen heute nicht mehr sehen, berichtet Michael Straberger, Präsident des Österreichischen Werberates (ÖWR), am Dienstag bei der Bilanzpressekonferenz des ÖWR. „Es gibt heute eine viel größere Sensibilität für ethisch anstößige oder sexistische Werbung als früher“, so Straberger, daher steige auch die Anzahl der Beschwerden von Jahr zu Jahr. 2012 listet die Bilanz 347 Beschwerden auf, in 173 Fällen hat der Werberat eine Entscheidung gefällt, 13 der Kampagnen wurden mit einem „Stopp“ belegt.

Wie schon in den Jahren zuvor war der Hauptbeschwerdegrund „Geschlechterdiskriminierende Werbung“ mit 94 Beschwerden. Nur knapp dahinter lag das Thema „Ethik und Moral“, das die Österreicher 92 mal verletzt sahen. Auf Platz drei der Beschwerdegründe lag „Rassismus“ gefolgt von „Gewalt“ sowie „Irreführung und Täuschung“. Mit 23 Beschwerden gab es auch äußerst viel Aufregung um das Thema „Kinder und Jugendliche“, was für Werberätin Gabriele Stanek beweist, „wie sensibel der Umgang mit kommerzieller Kommunikation in diesem Bereich sein muss“, wie sie am Dienstag betonte.

Am häufigsten wurde Werbung im Fernsehen beanstandet, gefolgt von Plakat und Print. Im Vormarsch war vor allem der Bereich Online, der mit 14 Beschwerden auf Rang vier lag. Häufig seien sich die Unternehmen nicht bewusst, dass sie mit ihrer Werbung Grenzen überschreiten, ist Straberger überzeugt. In den meisten Fällen seien vor allem Klein- und Mittelbetriebe betroffen, bei denen es an professioneller Betreuung in Werbefragen fehle. Nur in seltenen Fällen sei die bewusste Provokation ein Kalkül des Unternehmens, so Straberger und Stanek, die hier auf den Werberat-“Dauerkunden“ „Bet at home“ verwiesen.

Vermeiden lasse sich ein Verfahren vor dem Werberat sowie die Aufforderung zum Stopp einer Kampagne, wenn man den Werberat vorher konsultiere. Abhilfe schafft auch das sogenannte Pro-Ethik-Siegel der Werbewirtschaft, das im Vorjahr eingeführt wurde und mit dem sich Unternehmen freiwillig zur Einhaltung ethischer und moralischer Grundsätze bei ihren Werbemaßnahmen verpflichten. (APA)

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