Archiv

Letztes Update am In House / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe

PISA-Studie

Bildungsgerechtigkeit in Österreich schwach ausgeprägt

Eine Spezialauswertung der jüngsten PISA-Studie zeigt einen sehr großen Abstand zwischen Schülern mit niedrigem und hohem sozioökonomischen Status.

Wien, Paris – Die Leistungsunterschiede zwischen Schülern aus „gutem“ Elternhaus und Schülern aus sozial benachteiligten Familien sind in Österreich im OECD-Vergleich hoch. Das zeigt erneut eine am Dienstag veröffentlichte Spezialauswertung der jüngsten PISA-Studie. Der Abstand zwischen Schülern mit hohem bzw. niedrigem sozio-ökonomischem Status beim PISA-Test 2009 beträgt in Österreich 104 Punkte, „ungleicher“ geht es in der OECD nur in Ungarn (118), Belgien und Luxemburg (je 115) zu. Frankreich (110), die USA (107), Deutschland (105), Israel und Neuseeland (je 103) liegen in etwa gleichauf mit Österreich. Im OECD-Schnitt beträgt der Leistungsunterschied 89 Punkte, das entspricht mehr als zwei Schuljahren.

Für die Auswertung wurde anhand von Daten etwa über Einkommen und Bildungsstand der Eltern ein sozioökonomischer Status der Schüler (ESCS) ermittelt und anschließend die Leseleistungen der untersten und obersten 25 Prozent des ESCS miteinander verglichen. Wenig überraschend kam dabei heraus, dass Schüler aus gutem Elternhaus durchgängig bessere Leseleistungen erreichten als Kinder aus benachteiligten Familien. Im OECD-Schnitt erreichten die sozial höhergestellten Kinder 540 Punkte (Ö: 525), die benachteiligten Kinder 451 (Ö: 421). Die Unterschiede sind in den einzelnen Ländern aber verschieden stark ausgeprägt.

So beträgt der Leistungsunterschied zwischen Kindern aus hoher bzw. niedriger Schicht in Estland nur 58 Punkte, in Island 60, in Finnland 61 und in Kanada 67 Punkte. Die OECD-Partnerregion Hongkong kommt sogar nur auf einen Unterschied von 48 Punkten. Alle diese Länder erreichen gleichzeitig auch überdurchschnittliche Gesamtpunktezahlen bei PISA. Österreich erreicht dagegen sowohl unterdurchschnittliche Gesamtwerte als auch schlechte Werte bei der Gerechtigkeit.

Die Studie kommt zum Schluss, dass Leistungsunterschiede zwischen den verschiedenen Schichten zum Teil zwar kulturell bedingt sein können. Andererseits zeige die Entwicklung zwischen 2000 und 2009, dass politische Maßnahmen den Zusammenhang zwischen sozioökonomischem Status und Leistung durchaus abschwächen können. So hätten etwa Albanien, Chile, Deutschland und Lettland in diesem Zeitraum sowohl die Leistungsunterschiede zwischen den sozialen Gruppen verringert als auch die Gesamtleistung gesteigert. Kanada, Tschechien, Hongkong, Mexiko und die USA wiederum hätten immerhin die Bildungsgerechtigkeit verbessert (ohne eine Gesamt-Leistungssteigerung). Für Österreich wurden keine Vergleichswerte zwischen 2000 und 2009 ausgewiesen - aufgrund des Boykottaufrufs bei der PISA-Studie 2009 sieht die Organisation von Vergleichen mit früheren Jahren ab. (APA)