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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 15.02.2013

80. Geburtstag

Ein Streichholz für den Weltfrieden

Zum 80. Geburtstag wird Yoko Onos Rolle als Pionierin der Konzeptkunst gefeiert.

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Innsbruck – Vergangene Woche hat Yoko Ono in Frankfurt noch einmal – wie schon 1965 – Musiker eines Orchesters während des Spielens mit Mullbinden umwickelt („Sky Piece to Jesus Christ“). Tags darauf eröffnete die Frankfurter Schirn Kunsthalle ihr­e umfassende Yoko-Ono-Retro­spektive („Half-A-Wind Show“). Am gestrigen Sonntagabend war in Berlin ein Konzert der Plastic Ono Band angesetzt (mit Sohn Sean Ono Lennon). Große Ereigniss­e kündigten diesen runden Geburtstag an: Yoko Ono ist heut­e Montag 80 Jahre alt.

Sie ist abgesehen davon die wohl berühmteste Witwe der Welt, vermutlich auch eine der am meisten angefeindeten, jedenfalls von jenen Beatles-Fans, die ihr hartnäckig die Auflösung der Band anlasteten. Yoko Ono und John Lennon, das war nicht nur eine ganz offensiv nach außen hin gelebte, symbiotische Beziehung. Den Blick auf Yoko Ono prägt diese Symbiose auch über Lennons Tod hinaus. Was ihre Rolle als Pionierin der Konzeptkunst und der Fluxus-Bewegung leicht in Vergessenheit geraten lassen kann. Wiewohl dieser Teil der Geschichte lange vor der Begegnung mit dem Beatle begonnen hat. Mit ihrem ersten Mann, dem japanischen Komponisten Toshi Ichiyanagi, übersiedelt die 1933 in Tokio in eine wohlhabende Familie geborene Yoko Ono Ende der 1950er-Jahre nach New York und beginnt, sich in der avantgardistischen Kunstszene zu etablieren. In einer ihrer bekanntesten Performances, „Cut Piece“ von 1964, lässt sie sich vom Publikum die Kleider vom Leib schneiden, in „Lighting Piece“ (1955) brennt sie ein Streichholz ab, in „Fly“ (1970) lässt sie eine Fliege den weiblichen Körper erkunden, in „Half-A-Room“ (1967) schneidet sie das Mobiliar eines Apartments entzwei, um das Gefühl nach dem Auseinanderbrechen einer Beziehun­g zu verdeutlichen.

Legendär bleiben freilich vor allem auch die pazifistischen Happenings mit John Lennon, unter anderem das Amsterdamer „Bed-In“ oder ihre denkwürdige Medien-Audienz im Wiener Hotel Sache­r 1969. Selbsterfahrung, Feminismus, Frieden, Menschenrechte, Umweltschutz: Die Grenzen zwischen Kunst und Aktivismus verschwimmen im Werk der Jubilarin, die jetzt noch einmal eine große Bühne erhält: Die Ausstellung der Schirn Kunsthall­e ist eine Kooperation mit der Kunsthalle Krems, dem Louisiana Museum of Modern Art sowie dem Guggenheim Bilbao – in Krems wird sie von 20. Oktober bis 23. Februar 2014 zu sehen sein. Kunsthallen-Chef Hans-Peter Wipplinger kuratier­te bereits 2002 unter dem Titel „From my Window“ die Einzelausstellung der Künstlerin in Österreich, wo Yoko Ono im vergangenen Jahr mit dem Oskar-Kokoschka-Preis ausgezeichnet wurd­e. (jel)

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