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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 19.02.2013

Tauchgänge in Seelengründe

Innsbruck – In seinem „normalen“ Leben war Christian Moser bis vor eineinhalb Jahren Psychiater. Gemalt, gezeichnet und fotografiert hat der inzwischen 65-Jährige aber „schon immer“. Und das auch immer wieder öffentlich gezeigt wie derzeit im kooio seine „Protagonisten II“.

Sie basieren auf früheren Arbeiten, etwa 30 Jahre alten, eigenen, abstrakten Porträts, aber auch Arbeiten anderer Künstler. Sie werden von Moser fotografiert, per Computer bis zur Unkenntlichkeit verändert und auf Leinwände gedruckt. Diese Malgründe, die genauso streng gerastert wie malerisch amorph sein können, inspirieren Moser zu seinen Metamorphosen menschlicher Köpfe, die weniger Porträts als Zustandbilder der menschlichen Seele sind. Sie kommen splittrig, schmerzhaft beschädigt oder janusköpfig daher als auch für den Künstler spannendes Produkt des „kalkulierten Zufalls“ delikat zelebriert ausschließlich in sämtlichen Nuancen zwischen Schwarz und Weiß – ohne dabei grau zu werden. (schlo)